Über viele Jahrzehnte galt Lehmputz als Baustoff vergangener Zeiten. Inzwischen erlebt das Naturmaterial jedoch eine bemerkenswerte Rückkehr – nicht aus nostalgischen Gründen, sondern aufgrund seiner bauphysikalischen Eigenschaften. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Lehm Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben kann. Dadurch werden kurzfristige Schwankungen der Luftfeuchtigkeit ausgeglichen, was sich positiv auf das Wohnklima auswirken kann. Besonders interessant ist dies für Familien, Allergiker und Menschen, die viel Zeit in Innenräumen verbringen. Gleichzeitig enthält reiner Lehmputz keine synthetischen Bindemittel oder Lösungsmittel, weshalb er häufig bei ökologischen Bau- und Sanierungsprojekten eingesetzt wird.
Ein weiterer Vorteil liegt in der sogenannten Sorptionsfähigkeit. Während viele moderne Wandbeschichtungen Feuchtigkeit kaum aufnehmen können, besitzt Lehm eine offenporige Struktur. Dadurch kann überschüssige Luftfeuchtigkeit zeitweise gespeichert werden, bevor sie später wieder an den Raum abgegeben wird. Das kann insbesondere in Räumen mit wechselnder Nutzung – etwa Wohn- und Schlafzimmern – zu einem angenehmeren Raumklima beitragen. Wichtig ist jedoch, Lehmputz nicht als Wundermittel zu betrachten. Er ersetzt weder eine funktionierende Lüftung noch die fachgerechte Beseitigung von Feuchtigkeitsproblemen. Seine positiven Eigenschaften kommen vor allem dann zur Geltung, wenn das Gebäude insgesamt sorgfältig geplant und ausgeführt wurde.
Auch in der Nachhaltigkeitsdiskussion gewinnt Lehm zunehmend an Bedeutung. Das Material benötigt bei der Herstellung deutlich weniger Energie als viele mineralische Baustoffe und kann nach dem Rückbau häufig ohne aufwendige Verfahren wiederverwendet oder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Aus diesem Grund beschäftigen sich Forschungseinrichtungen und Bauunternehmen wieder intensiver mit modernen Lehmbausystemen, die sich sowohl für Neubauten als auch für Sanierungen eignen. Was früher oft als Baustoff vergangener Generationen galt, entwickelt sich heute zu einer interessanten Alternative für alle, die Wert auf natürliche Materialien, ein angenehmes Raumklima und ressourcenschonendes Bauen legen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Fachberatung. Welche Baustoffe für ein konkretes Bau- oder Sanierungsvorhaben geeignet sind, sollte gemeinsam mit qualifizierten Fachleuten beurteilt werden.
Quelle: Fraunhofer IBP – Forschung zu Bauphysik, Feuchteverhalten und Raumklima. | Umweltbundesamt Deutschland – Nachhaltige Baustoffe und Ressourcenschonung im Bauwesen. | Dachverband Lehm e. V. – Fachinformationen zum Baustoff Lehm und dessen bauphysikalischen Eigenschaften.
Veröffentlicht am 20.07.2026

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