Risse im Beton zählen zu den häufigsten Ursachen für spätere Schäden an Bauwerken. Sie ermöglichen das Eindringen von Wasser, Tausalzen und anderen Schadstoffen, wodurch langfristig die Bewehrung korrodieren kann. Forscher arbeiten deshalb seit Jahren an einer Lösung, die zunächst wie Science-Fiction klingt: selbstheilender Beton.
Das Prinzip basiert auf speziellen Bakteriensporen, die bereits während der Herstellung in den Beton eingebracht werden. Solange das Material trocken bleibt, befinden sich diese Mikroorganismen in einem Ruhezustand. Entsteht jedoch ein Riss und Feuchtigkeit dringt ein, werden die Bakterien aktiv. Sie produzieren Kalkstein (Calciumcarbonat), der die feinen Risse wieder verschließt.
Versuche und Demonstrationsprojekte zeigen, dass auf diese Weise Risse von bis zu 0,8 Millimetern Breite selbstständig verschlossen werden können. Besonders interessant ist die Technologie für Tunnel, Tiefgaragen, Wasserbauwerke oder andere schwer zugängliche Konstruktionen, bei denen Reparaturen aufwendig und teuer sind.
Für Bauunternehmen könnte die Technologie künftig erhebliche Vorteile bringen. Weniger Instandhaltungsmaßnahmen bedeuten geringere Lebenszykluskosten und längere Nutzungsdauern von Bauwerken. Auch aus ökologischer Sicht ist das Verfahren spannend, da die Herstellung von Zement weltweit erhebliche CO₂-Emissionen verursacht. Jede Verlängerung der Lebensdauer bestehender Bauwerke reduziert den Bedarf an Sanierungen und Neubauten.
Noch befindet sich selbstheilender Beton nicht im breiten Masseneinsatz. Die bisherigen Ergebnisse aus Forschungs- und Pilotprojekten zeigen jedoch, dass die Technologie das Potenzial hat, den Umgang mit Betonschäden grundlegend zu verändern. Für Planer und Bauherren lohnt es sich daher, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.
Quelle: TU Delft – Bacteria-based self-healing concrete: Evaluation of full scale demonstrator projects. | TU Delft – Bacteria-based concrete: From concept to market.
Veröffentlicht am 03.06.2026

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