Digitale Werkzeuge halten zunehmend Einzug in die Bauwirtschaft. Von automatisierten Mengenermittlungen über KI-gestützte Terminplanung bis hin zur Auswertung von Drohnenaufnahmen übernehmen Systeme Aufgaben, die früher ausschließlich Menschen erledigten. Doch damit entsteht eine neue rechtliche Frage: Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI einen Fehler macht?
Angenommen, eine Software berechnet Materialmengen fehlerhaft oder schlägt einen ungeeigneten Bauablauf vor. Entsteht dadurch ein Schaden, kann sich kein Beteiligter einfach auf die Entscheidung der Software berufen. Nach aktuellem Rechtsverständnis bleibt die Verantwortung grundsätzlich bei den handelnden Personen und Unternehmen. Wer eine KI einsetzt, muss deren Ergebnisse prüfen und darf sich nicht blind darauf verlassen.
Besonders relevant wird dies bei Ausschreibungen, Bauüberwachung und Dokumentation. Unternehmen sollten klar festlegen, wer digitale Auswertungen kontrolliert und freigibt. Ebenso wichtig ist die Dokumentation der Entscheidungen. Kann später nachvollzogen werden, wie eine Empfehlung der Software zustande kam und wer sie geprüft hat, lassen sich Haftungsfragen wesentlich einfacher klären.
Wichtig: Der Einsatz moderner Technologien reduziert nicht automatisch die rechtliche Verantwortung. Im Gegenteil: Je stärker digitale Werkzeuge genutzt werden, desto wichtiger werden nachvollziehbare Prozesse und Kontrollmechanismen.
Für Bauunternehmen, Planer und Projektverantwortliche lohnt es sich daher, interne Richtlinien für den Umgang mit KI-Anwendungen zu entwickeln und Mitarbeitende entsprechend zu schulen.
Quelle: Europäische Kommission – AI Act und Leitlinien zur KI-Nutzung | Europäisches Parlament – Regelungen zu Künstlicher Intelligenz
Veröffentlicht am 15.06.2026

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