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Die Umkehrhypothek – eine spezielle Form des Darlehens

Die Altersarmut in Deutschland steigt und viele Ältere sind nicht mehr in der Lage, ihr tägliches Leben zu bestreiten. Die Umkehrhypothek kann Abhilfe leisten.

Deutschland wird gerne als reiches Industrieland bezeichnet. Wirft man jedoch einen Blick hinter die Fassade, sieht die Realität ganz anders aus. Denn dem europäischen Statistikamt zufolge leidet ein Fünftel der deutschen Senioren unter Altersarmut. Das bedeutet, dass jährlich nur maximal 13.628 Euro zur Verfügung stehen, um den Alltag zu bestreiten. Die Zahl der Betroffenen hat nun im Jahr 2018 ein neues Rekordhoch erreicht: 3,1 Millionen Menschen ab einem Alter von 65 Jahren werden als arm bezeichnet. Das sind unglaubliche 18,2 Prozent mehr Senioren als im Vorjahr. Durch die weltweite Pandemie dürften sich die Zahlen weiterhin verstärkt haben und die ältere Generation mit großen finanziellen Sorgen konfrontieren. Oftmals wird den Älteren von Verwandten unter die Arme gegriffen, doch auch die Umkehrhypothek ist eine Möglichkeit, um sich ein zusätzliches Taschengeld zu verdienen. Im folgenden Artikel beschäftigen wir uns mit der Umkehrhypothek und zeigen die Unterschiede zur Leibrente auf.

Quelle: mastersenaiper, 27.07.2021

Was ist die Umkehrhypothek?

Hinter dem Begriff “Umkehrhypothek” versteht sich eine spezielle Form der Immobilienrente. Der Haus- oder Wohnungseigentümer erhält ein Darlehen in Höhe des Wertes seiner Immobilie. Im Austausch dafür geht das Eigentum nach einer abgemachten Frist oder dem Tod des Besitzers in die Hände der Bank oder Versicherung über. Bis dahin wird der Prozess als Grundschuld im Grundbuch der Immobilie vermerkt. Diese besondere Art der Hypothek ist auf Immobilienbesitzer im Ruhestand angepasst, welche die eigene Rente aufbessern möchten. Die Tilgung findet nicht Monat für Monat statt, sondern wird zu einem vereinbarten Zeitpunkt getätigt. Das bedeutet, dass sich die Kreditschuld nicht im Laufe der Zeit schmälert, sondern – ganz im Gegenteil – immer größer wird! Dieser Umstand hat dem Kredit den Namen Umkehrhypothek verliehen.

Positive und negative Aspekte der Umkehrhypothek

Wie alles im Leben besitzt auch die umgekehrte Hypothek Licht- und Schattenseiten:

Vorteile

Wer sich für die Umkehrhypothek entscheidet, hat das Recht, bis an sein Lebensende in den eigenen vier Wänden zu hausen. Darüber hinaus profitieren die Eigentümer von einer monatlichen Rente oder können sich das Darlehen sofort auszahlen lassen. Die ältere Generation unserer Gesellschaft hat somit die Möglichkeit, die eigenen finanziellen Mittel aufzubessern und der Armut den Rücken zuzukehren. Hervorzuheben ist außerdem, dass für den Kreditnehmer weder Zins- noch Tilgungszahlungen anfallen und auch die Steuer fordert keine Zahlungen. Sollte der Eigentümer ins Pflegeheim einziehen müssen, ist man in der Regel in der Lage, die Immobilie zu verkaufen und mithilfe des Erlöses das Darlehen auszugleichen. Weiterhin sollte noch angemerkt werden, dass die umgekehrte Hypothek sehr hohe Planungssicherheit verspricht, da alle Arrangements bereits im Voraus getroffen werden.

Nachteile

Leider fallen die Konditionen der Umkehrhypothek oftmals sehr schlecht aus, da der Kreditgeber ein gewisses Risiko besitzt. Dementsprechend gering ist auch der Auszahlungsbetrag für den Eigentümer, der nach dem Ende der Laufzeit die volle Höhe der Zinsen zu tragen hat. Für die Erben ist die Umkehrhypothek ebenfalls ein schlechtes Geschäft: Der Verkaufserlös ist oft niedriger als der Rückzahlungsbetrag.

Für wen kommt die Umkehrhypothek infrage?

Umkehrhypotheken sind auf einen speziellen Personenkreis ausgerichtet. So sollte der Eigentümer bereits das Rentenalter erreicht haben und die Immobilie zu großen Teilen von Schulden befreit haben. Es bietet sich zudem an, wenn der Besitzer keine Erben hat und weiterhin in seinem Besitztum wohnen bleiben möchte. Die größte Voraussetzung für die Umkehrhypothek ist aber das Verlangen nach einer verbesserten Liquidität.

Umkehrhypothek vs. Leibrente – Was sind die Unterschiede?

Die beiden Begriffe werden häufig synonym gebraucht, unterscheiden sich allerdings tatsächlich in einigen Punkten: Die Leibrente definiert sich in erster Linie durch wiederkehrende Zahlungen, währenddessen bei der Umkehrhypothek auch Einmalzahlungen möglich sind.

Außerdem bleibt der Eigentümer der Immobilie bei der Umkehrhypothek stets Besitzer. Er muss sich also um sämtliche Sanierungen und Reparaturarbeiten kümmern. Im Gegensatz dazu findet mit der Unterzeichnung des Vertrags ein Eigentümerwechsel statt.

(Veröffentlicht am 8. August 2021)