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Bauen mit Strohballen – Interview mit Michael Gromer; Geschäftsführer von UNSER STROHHAUS BAU GMBH

Ökologische Baustoffe sind voll im Trend!

Interview mit dem Geschäftsführer von „Unser Strohhaus Bau GmbH“ und Bauherr des Strohballenhaus in St. Kathrein.

Seit Jahren steigt die Nachfrage nach Passivhäuser und klima:aktiv Häuser stetig an, nun wurde das erste lasttragende Strohballenhaus fertiggestellt, das auch zum Klimaschutzpreis nominiert wurde, wie kam es zu dieser Entwicklung?

Unser erstes Strohballenhaus in St. Kathrein, wurde als „Strohballenhaus mit Holzständerkonstruktion“ ausgeführt. Bei diesem Bungalow mit 17,00 lfm Süd- Glasfassade, ist das nicht ohne Holzkonstruktion machbar. Von der Belastbarkeit, die uns Stroh erlaubt, hätten wir kein Problem gehabt. Um wirklich lastragende Strohballenhäuser errichten zu dürfen mussten erst die letzten Tests für alle baubehördlichen Vorschriften, abgeschlossen werden. Die letzten Tests sind Ende Juni 2012 abgeschlossen.

Info zur Bauweise -> Video, ORF- Burgenland Heute „Stroh statt Ziegeln“ von 16.10.2010

Die Nominierung für den Klimaschutzpreis war für uns eine großartige  Anerkennung  der dreijährigen Planungs- und Entwicklungsarbeit. Mit dem eigenen Projekt dabei sein zu können, war ein persönlicher Wunsch von mir und dieser ging in Erfüllung.

Was versteht man unter lasttragendem Strohballenbau?

Strohballen werden als Wand (wie bei einem Ziegelhaus) zusammen gefügt und übernehmen die statische Tragfähigkeit. In St. Kathrein wurden Großballen mit 0,70h x 2,40l x 1,20b verbaut. In Zukunft kommen in Zusammenarbeit mit unseren Strohlieferanten Großballen in der Größe von 0,70h x 2,40l x 0,80b zum Einsatz. Das ergibt eine Gesamtwandstärke mit Lehm- und Kalkputz von 0,90b (bzw. 90,00 cm).

Info zu „Techniken“ 
Links & Strohhausinfos

Architekt Werner Schmidt, Schulungs-Pavillon „vonRoll hydro AG“, CH-4702 Oensingen, Holzbinderkonstruktion mit Strohdämmung.

Bauten von Architekt Werner Schmidt

Haben Sie mit Forschungsinstitutionen zusammengearbeitet?

Bei diesem Haus im Speziellen nicht, aber wir arbeiten eng mit der GrAT- Gruppe für angepasste Technologie, s-house.at,  zusammen. 2012 vergeben wir einen neuen Forschungsauftrag für Strohzertifizierung vor Ort. Damit wirklich jeder Bauer (von neben an) Baustroh liefern kann. Anmerkung: Die GrAT ist ein Forschungsinstitut an der TU Wien, die sich speziell auf Bauen mit Stroh spezialisiert hat. 2005 haben Sie im Rahmen eines Forschungsprojektes das Pilotprojekt s-house in Böheimkirchen errichtet. Bei diesem Projekt wurde fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut, spezielle Lüftungskanäle und Schrauben aus Holz wurden entwickelt, die Holzkonstruktion wurde mit Stroh gedämmt und sogar Möbelbauplatten wurden aus Stroh gepresst.

Gab es Reaktionen auf die Fernsehausstrahlung des zum Klimaschutzpreis nominierten Projektes im Rahmen der Sendung Konkret?

Ja, es gab sehr viele positive Reaktionen aus allen Altersgruppen und das Interesse für Bauen mit Stroh ist groß. Bei unseren ersten Vorträgen, waren wir bis auf den letzten Sessel ausgebucht. Wir müssten sogar einen zweiten, nicht geplanten, Vortrag halten.

Wie ist die Nachfrage nach Häusern aus Stroh?

Sehr groß. Wir merken jetzt schon, wie vorsichtig wir mit unserer gesamten Firmenplanungen für 2013 vorgehen müssen. Ökologische Baustoffe sind voll im Trend und die Reaktion/ Nachfragen bezüglich Strohballenhäuser ist sehr groß, sicher spielt auch die enorme CO2 Einsparung dabei eine wichtige Rolle. Bei einem sehr großen Wohnprojekt, 24 Wohneinheiten, wird heuer Stroh zum ersten Mal als Baustoff eingesetzt. Da wir aber nicht vorhaben langfristig mehr als 25 Mitarbeiter zu beschäftigen, sind wir mit unserer Geschäftsplanung sehr sorgsam. Das Wachstum und der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens sollten nicht zu schnell gehen.

Worin sehen Sie persönlich den Vorteil zu einem herkömmlichen Wohnhaus?

Stroh lasttragend zu verwenden heißt, die Planung muss von der ersten Minute an auf diesen Baustoff angepasst werden. Stroh hat einen Nachteil, dass man große Wandstärken von 0,90 cm benötigt. Der wichtigste Vorteil, und der betrifft uns alle, ist der Aspekt der Nachhaltigkeit dieses nachwachsenden Rohstoffes: Zeigen sie mir einen Baustoff mit einem niedrigen Primärenergiebedarf als Stroh!  In Zukunft wird es immer wichtiger werden, den gesamten Energiebedarf, also von der Produktion der Baumaterialien, dem Transport bis zur Verarbeitung zu kennen und nicht nur den Energiebedarf des Hauses. Beim Haus in St. Kathrein haben wir alleine bei der Errichtung 101 Tonnen an CO2 eingespart.

Das einzigartige Raumklima, das nur mit natürlichem Baumaterial entsteht, wie es eben bei Stroh und Lehm ist, gibt es als gratis „Belohnung“ dazu.

Häufig gestellte Fragen – Info zum Raumklima

Ich habe die schöne Aussage gehört, dass am Ende des Lebenszyklus eines Wohnhauses ein Komposthaufen statt eines Schutthaufens übrigbleiben sollte.

Ja, diesen wichtigen Punkt vergessen und verdrängen viele vollständig. Welcher Bauherr macht sich schon Gedanken über das Ablaufdatum seines Hauses? Nachhaltigkeit zu bedenken wird  aber hoffentlich in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen,  nicht nur in der Erzeugung sondern auch bei der Entsorgung der Gebäude. Nach genauer Recherche dieser Aspekte würden sich viele Bauherren für alternative Baumaterialien entscheiden.

Konnte das Strohballenhaus in St. Kathrein tatsächlich aus rein nachwachsenden Rohstoffen gebaut werden?

Noch nicht ganz, aber zu 97%. Um Beton und gewisse chemische Abdichtungsmittel wird keiner herum kommen. Denken sie daran, welcher Bauherr würde sich für eine undichte Bodendusche freuen oder wie viel Freude würde er über seine 3- Scheiben Passivhausfenster haben, wenn diese nicht einen dichten Wandanschluss hätten? Genau deshalb vergeben wir 2012 auch zwei  Forschungsaufträge. Eines unsere großen Ziele ist es, hier immer am letzten Stand der Technik zu sein und womöglich nachwachsende, natürliche Rohstoffe  gegenüber chemischen den Vortritt zu geben. Allein beim Beton für die Fundamente, (SLAGSTAR ÖkoBeton),  gehen wir schon ganz bewusst neue ökologische Wege,  oekobeton.at .

Welche Rohstoffe haben Sie außer Stroh verwendet?

Holz, Beton, Flachs, Schilf, Kalk und Lehm

Wo muss man dann doch auf herkömmliche Systeme zurückgreifen?

Fundamente, Fenstereinbau- und Dichtungsschaum, Duschabdichtungen.

Wo sind die Grenzen des lasttragenden Strohballenbaus, könnte man auch ein Obergeschoss errichten?

Ja, nach dem heutigen Stand der Technik, sind bis zu 3 Geschosse möglich. Grenzen setzten wir uns selbst. Architekt Werner Schmidt und andere Strohbaumeister (Prof. Gernot Minke) bauen sogar lasttragend ganze Gewölbe mit Stroh.

Ein Haus in Strohballenbauweise zu errichten, heißt automatisch ein Passivhaus zu bauen. Mit ein wenig Mehraufwand lässt sich sogar ein Nullenergie –Plusenergiehaus umsetzten. Info zum Neubau

 

Welche Erfahrungen haben Sie auf der Baustelle gemacht. Mussten Sie bei diesem Gebäude alle üblichen Baustellenabläufe neu überdenken?

Die schönsten Erfahrungen auf unseren Strohbaustellen sind immer die lachenden und fröhlichen Gesichter aller Personen, die mit diesem einzigartigen Baustoff in Berührung kommen. Für die Arbeiter ist es nach einigen Tagen ganz normal, dass sie nach Feierabend in jedem Kleidungsstück und auf ihrem Körper Stroh finden.

  • Die Baustellenabläufe selbst unterscheiden sich nicht wirklich von herkömmlichen Baustellen.

Woher beziehen Sie die Rohstoffe wie das Baustroh? Wie wird das Stroh aufbereitet?

Wir arbeiten mit der Firma Waldland, (waldland.at) sie liefert unser Baustroh. Weiteres  haben wir eine enge Kooperation mit den Bauern von nebenan. In Zukunft werden wir noch mehr regionale Bauern als Baustofflieferanten bei der Jahresplanung vorsehen. Insektenbefall gibt es bei Baustroh so gut wie keinen. Eine chemische Vorbehandlung ist nicht notwendig. Die stabilen Baustrohballen entstehen durch Verdichtung. Stroh wird bis zu 170kg/m3 gepresst. Baustroh unterliegt ganz klaren Normen. Zum Beispiel darf die Restfeuchte bei der Strohernte maximal 15% betragen.

Strohbau/Österreich

Daher sind die Kontrolle des Strohs schon während der Wachstumsphase und die richtige Verarbeitung bei der Ernte ganz wichtig. Aber all das garantieren unsere Strohlieferanten.

Baustoffe

Ist das Bauen mit Stroh teurer als ein herkömmliches Gebäude?

Teurer auf keinen Fall, meistens sogar um bis zu 5 % günstiger. Natürlich ist es wie bei jedem Haus, entscheidend ist die gewünschte Hausform, dort liegen die Mehr- bzw. Minderkosten.

Könnten Sie eine Einschätzung geben, wie sich der lasttragende Strohballenbau weiterentwickeln wird?

Strohballenhäuser werden einen gewissen Marktanteil erreichen, wie hoch der aber wirklich sein wird, könnte nur ein Hellseher sagen. Auch wird es sicher noch einige Jahre dauern, bis Stroh als Baustoff, wie heute Holz oder Ziegel, ganz selbstverständlich wird. Erst die heutigen großen Umweltherausforderungen schaffen die Nachfrage für natürliche Baustoffe, wie Stroh und Co. Wir glauben an eine wachsende Bewusstseinsentwicklung und damit verbunden, an eine stark steigende Nachfrage nach nachwachsenden und regional verfügbaren Produkten. Wir hoffen, dass es bald mehr Bauunternehmer gibt, die Stroh als Baustoff verwenden. Unser Traum ist es ein Technologie-Zentrum für Strohballenbauweise in Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmen zu schaffen. Stroh als Baustoff hat eine spannende und große Zukunft.

Die zukünftigen Bauherren werden natürlichen Baumaterialien sicher immer mehr den Vorzug geben. Wir sehen das täglich auf unseren Baustellen, Strohballendämmung im Dach-, Decken-  und Wandbereich sind alltäglich geworden und werden von fast keinem Bauherren mehr in Frage gestellt; hinterfragt ja, aber dagegen, nein.

Fazit: wir liegen mit unseren Strohhäusern voll im Trend !

Gerne stehen wir zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung! – www.unserstrohhaus.at;  

Link zur Galerieansicht – Neubau in Arbeit

 

   
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Ein Gedanke zu „Bauen mit Strohballen – Interview mit Michael Gromer; Geschäftsführer von UNSER STROHHAUS BAU GMBH

  1. Lenner Tina says:  

    Muss man bei einem Strohballenbau spezielle Dinge zur Haustechnik beachten? (Lüftung, Verkleidung elektrischer Leitungen) Möchte 2013 ein Passivhaus errichten lassen, aus ökologischer Sicht wäre diese Bauart genial!

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