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Auslandswarnung – Achtung Baufirma!

Dies ist ein ganz persönlicher Beitrag von Vereinsobmann Günther Nussbaum.  Wer baut und die hier angeführten Ratschläge nicht berücksichtigt geht unseren Zahlen nach ein 98,5%-iges Risiko ein seine Existenz zu verlieren oder in Baupfusch verwickelt zu werden.

Oder anders formuliert: Bei 200 „Bauaufträgen“ an polnische, ungarische, slowakische, bulgarische und teilweise deutsche sowie auch englische (limited!) Firmen oder Geschäftsführerin kam es bei 197 zu wesentlichen bautechnischen Fehlern. Wir haben immer wieder zu Problemen MIT ausländischen Baufirmen berichtet. Nachfolgend einige unserer „Artikel der Woche“ zu besonderen Härtefällen. Hausbau beauftragt, teilweise bezahlt, Leistungen nicht oder mangelhaft erbracht, falsche Materialien geliefert, Schimmelbefall, Wasserschäden, aggressive Bauarbeiter und vieles mehr:

Was befähigt jemanden so einen hetzerischen Beitrag zu schreiben? Die nackten Zahlen? Die Statistik eines einzelnen Gutachters ist doch nicht repräsentativ? Oder doch? Jedenfalls muss man die Herkunftsländer kennen um die Probleme zu verstehen.

Schlussendlich ausschlaggebend für diesen Beitrag war der 70. ATV-Pfusch am Bau-Fall aus Dreharbeiten für die 6.Staffel. (Mai 2013)

Ein polnischer Unternehmer, eine polnische Firma. Streitereien seit 2009 und ein Haus mit rund 150.000 Euro Schaden. Wohlgemerkt, das Haus ist halbfertig. Die Liste der Mängel ist lang, streng genommen bleibt da nichts mehr stehen.  Aber vermutlich ist bei der Firma Skat-Bau und dem Geschäftsfüher SKAWINSKI TOMASZ nichts mehr zu holen. Seit Monaten herrscht Funkstille…

Um zu verstehen soll man die Vergangenheit kennen:

Das Jahr 1989 hat den beginnenden Zerfall der kommunistischen Europas eingeläutet, aber auch den Zerfall der Bauqualität auf vielen unserer Baustellen. Die Länder in Ost- und Mittelosteuropa haben ihre Freiheit wiedererlangt, nachdem sie jahrelang unter einem totalitären System gelebt hatten. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Bulgarien, Rumänien und die DDR konnten endlich ihre Zukunft selbst bestimmen. Die Unabhängigkeit der ehemaligen Ostblockländer hat europäische Beziehungen und damit auch die EU-Mitgliedsverhandlungen gefördert. Sie war aber auch Auslöser für die Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens in den folgenden Jahren.

Die folgende Zeit erschütterte ganz Europa, aber gerade davor gab es immer wiederkehrende Unabhängigkeitskämpfe. Vor 1989 endeten viele davon in tragisch: die Sowjet-Armee marschierte 1956 in Ungarn ein, die Armee des Warschauer Paktes überfiel 1968 die Tschechoslowakei, und in Polen wurde 1981 das Standrecht eingeführt.

Um nun zu verstehen warum sich alles auf unseren Baustellen geändert hat, muss man auch wissen wie in einem kommunistischen Land gebaut wurde. Da darf ich mitreden. Nach Auslandsbaustellen in Russland, Polen, Ost-Deutschland, der Türkei und Ungarn, sowie der Gutachter-Tätigkeit in Ungarn und Tschechien habe ich es selbst erlebt. Nach Gründung der Sowjetunion im Jahr 1920 dauerte es schließlich 69 Jahre bis zum Ende des Kommunismus. Bis dahin herrschte Planwirtschaft und Bonzentum (Korruption) vor. Eigeninitiative oder Unternehmertum wurde nicht nur nicht gefördert, es war de facto verboten. Wer mehr wollte machte sich verdächtig, riskierte sein eigenes Leben und das seiner Familie.

Dennoch hatte im Kommunismus der Arbeiter ein höheres Ansehen als der Arzt.

Während die industrielle Revolution des 19Jhdt. zur Ausbeutung der Arbeitskraft geführt hat gab der Klassenkampf und Marxismus den Arbeitern soziale Lebensbedingungen zurück. Das war es aber dann auch schon, der Rest war geprägt durch eine Mangelwirtschaft auf vielen Ebenen. Einen Baumarkt gab es da nicht, nur staatliche Läden, Selbständigkeit? Fehlanzeige. Ich hab es selbst erlebt dass auf Baustellen in den Betonmischer von den geplanten 10 Zementsäcken nur 4 in den Mischer kamen. Den Rest nahmen die Arbeiter für sich mit nach Hause. Nachhaltiges Bauen? Keine Spur. Während an einer Wohnhausanlage an der 8.Stiege gebaut wurde war die 1. schon wieder renovierungsbedürftig.

Auf den Mond fliegen? Ja! Richtig Haus bauen? Nein.

Während die jugoslawischen Gastarbeiter aus den 70er-Jahren vorwiegend Hilfsarbeiter stellten, kam nach Öffnung der Ost-Grenzen eine Flut an „Facharbeitern“ ins Land. Die Politik liberalisierte zeitgleich die Zugangsbeschränkungen für Bau & Handwerk. In nahezu allen aktuellen Schadensfällen gibt es keinen Baumeister! Entweder liegt gar keine Bauerfahrung vor oder ein beispielsweise Trockenbauspachtler besorgt sich einen Baumeister als Gewerbeträger. Der sieht freilich nie (s)eine Baustelle. Niemand, aber wirklich gar niemand kontrolliert dann ob der polnische Kaufmann sich von seinem gewerberechtlichen Geschäftsführer führen lässt. Oder kurz formuliert: In den ehemaligen Ostblockländern gab und gibt es einen um Dimensionen schlechteren Baustandard. Die größte Triebfeder bei uns zu arbeiten ist leider das Geld, nicht die Lust am Handwerk oder der Weiterbildung. Zum Schluss noch ein trivialerer Grund für das vorherrschende Desaster, unsere Normen und Fachregeln gibt es in der Regel nur in deutscher Sprache….

Mit der Ost-Öffnung ist auch die Motivation heimischer Fachkräfte und potentieller Anwärter verloren gegangen.

Viele schämen sich dafür auf Baustellen zu arbeiten, kaum jemand fährt noch mit dem Baustellengewand nach Hause. Zuerst wäscht man sich auf der Baustelle vor, zieht sich um, und wäscht sich dann zu Hause ordentlich. So verwundert es nicht wenn heimisches oder eingebürgertes (männliches) Facharbeiterpotential lieber schlechter bezahlt in Büros oder KFZ-Werkstätten flüchten.

Ein Vorschlag zur Verbesserung?

Ja, erstens Auftraggeber informieren. Das tun wir hier ja zur Genüge. Stecken dafür auch oft genug Klagen wegen Rufschädigung und übler Nachrede ein. (Durchgekommen ist damit noch niemand) Sonst gibt es eigentlich nur mehr den Verein für Konsumentenschutzinformation der ungeschönt und ehrlich berichtet. Aber eben auch kaum zu Problemen aus der Bauwirtschaft. Und zweitens? Die Geschäftsführerhaftungen und Zugangsbeschränkungen zum Gewerbe verschärfen. Wer zu einem Hausbau nicht nachweisen kann dass ein Zugangsberechtigter (Baumeister, Handwerksmeister, Befähigungsnachweis…) tatsächlich Leistung erbringt muss privat Haftung übernehmen. Das gilt für den kaufmännischen wie auch für den gewerberechtlichen Geschäftsführer. Dann werden sich alle überlegen ob Sie wegen einem kleinen Zubrot große Haftungen übernehmen wollen…
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5 Gedanken zu „Auslandswarnung – Achtung Baufirma!


  1. An Herrn Doblinger

    Guten Tag, ich bin durch diese polnische Firma ruiniert u. obwohl ich die ganze Zeit für meine Firma arbeite habe ich durch diesen Betrug keine Ahnung wie es weitergehen soll u. vor allem wie ich es den Kindern erklären soll.
    Bin über jede Art auf Antwort darauf Dankbar

    Mfg Perry Zmugg

  2. Günther Nussbaum-Sekora says:  

    Zum Fall Skat-Bau haben wir beim österr. Außenwirtschaftsbüro Krakau angefragt. Der für den geschädigten Kunden nicht mehr greifbare Herr Skawi?ski hat ein Einzelunternehmen in Polen angemeldet. Hier nur wieder dringend die Empfehlung derartige Firmen ohne entsprechender Absicherung nicht zu beauftragen!

    Mailauszug:

    wir haben Ihre E-Mail vom 16.10.2012 vom AußenwirtschaftsCenter erhalten und teilen mit, dass es sich im Falle der Firma Skat-Bau um eine wirtschaftliche Tätigkeit einer natürlichen Person handelt. Aus diesem Grund gibt es keinen Firmenbuchauszug zu dieser Firma. Im Firmenbuch sind nur Gesellschaften des Handelsrechts registriert.

    Die wirtschaftliche Tätigkeit von natürlichen Personen wird im örtlich zuständigen Bürgermeisteramt und im Statistikamt registriert. Der Eintragung im polnischen Statistikamt kann man folgende Informationen entnehmen:

    SKAT Bau Skawi?ski Tomasz
    43-600 Jaworzno
    Ul. Wilcza 28/13
    Eintragungsdatum: 02.02.2007
    Beginn der Tätigkeit: 01.03.2007
    Tätigkeitsbereich: Bauarbeiten, Bau von Wohn- und Nichtwohngebäuden.
    Steueridentifikationsnummer NIP: 632-19-24-716
    Statistische REGON-Nummer: 240572220

    Der Zugang zu Informationen über Firmen, die von natürlichen Personen geführt werden, ist erschwert, weil diese Firmen im Unterschied zu Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung zur Publikation der Finanzergebnisse nicht verpflichtet sind.

    Ich stehe Ihnen für Rückfragen sowie für die Bearbeitung des südpolnischen Marktes immer gerne zur Verfügung.
    Freundliche Grüße
    Mag. Aleksandra Ceska
    Leiterin des Österreichischen AußenwirtschaftsBüros Krakau
    Österreichisches AußenwirtschaftsBüro Krakau
    ul. Cybulskiego 9
    31-117 Kraków
    Polen
    T +48 12 428 49 00
    F +48 12 429 49 01
    krakau@wko.at
    wko.at/aussenwirtschaft/pl

  3. Günther Nussbaum-Sekora says:  

    Sehr geehrter Herr Doblinger,

    es ist leider nicht nur meine Erfahrung mit Anbietern aus dem östlichen Ausland. Und häufen sich die Probleme in letzter Zeit so massiv, dass ich den Beitrag nach langer Überlegung gebracht habe. Damit „die Guten“ nicht benachteiligt
    sind habe ich am Ende geschrieben dass wir gerne positive Beispiele darstellen wollen. Ich biete ihnen daher an 2-3 Objekte aus dem Raum Wien-Umgebung kostenlos zu besuchen.

    Darüber hinaus profitieren gute Firmen von unserer Öffentlichkeitsarbeit,
    laut zahlreicher Zuschriften werden gute Leistungen wieder gerne bezahlt.
    Der Billigstbieter wird oftmals kritisch hinterfragt…

    Übrigens gab es zu Danwood-Häusern bei uns noch keine Beschwerden. „Ihr“ Ruf ist tadellos. Nachdem nahezu alle sonstigen Internetportale und Magazine kritische Berichte eher nicht bringen, beziehungsweise im Sinne Ihrer Anzeigenkunden gerne „schönfärben“, verstehen wir unsere Aufgabe vorwiegend in der kritischen Berichterstattung. Das ist dann auch tatsächlich ein Grenzgang. Um in der Bauwirtschaft etwas zu bewegen dürfte das aber der „richtigere“ Weg sein. Wie uns viele Zuschriften und Anrufe „guter Anbieter“ bestätigen. Es wird wieder besser gebaut, Billigstbieter werden aussortiert. Der private Bauherr ist sensibilisiert, besser informiert. Bitte verstehen Sie das auch so. Freundliche Grüße Günther Nussbaum-Sekora


  4. Sehr geehrter Herr Nussbaum-Sekora,

    vorweg, ich verfolge Ihre gelungene Sendung mit großer Aufmerksamkeit und Sie tragen für mehr Bewusstsein bei den Bauherrn bei und das ist absolut OK.
    Ihre Auslandswarung hat mich jetzt sehr getroffen, da ich seit 2006 DANWOOD (ein polnischer Konzern, welcher momentan Marktführer in DE bei schlüsselfertigen Fertighäuser ist) in Österreich als Generalvertireb vertrete. In dieser Zeit wurden über 100 Häuser ohne wesentliche Mängel und ohne Einträge in diversen Foren realisiert. Zu meiner Person, seit 21 Jahren in der Branche, lange Zeit Geschäftsführer von Novy-Haus und mit Ihrer Aussage gefährden Sie massiv meinen Marktauftritt und wirtschaftlichen Erfolg.
    Daher ersuche ich um eine Differenzierung und Publizierung jehner Unternehmen, die den österreichischen Standard hervorragend erfüllen.
    Abschließend ersuche ich Sie um Ihre Stellungnahme.
    Mit besten Empfehlungen
    Wilfiried Doblinger

  5. Günther Nussbaum-Sekora says:  

    Nachsatz: Um einzelnen „guten“ Firmen nicht Unrecht zu tun. Jeder ausländische Anbieter mit einer guten Referenz ist herzlich eingeladen uns diese zur Prüfung zu übermitteln. Bei einigermaßen positivem Abschluss stellen wir hier kostenlos einen Werbeplatz zur Verfügung…

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