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Was jetzt? Dichtbetonkeller oder weisse Wanne?

Ein Dichtbetonkeller, oder nicht?

Die nachfolgende Falldarstellung könnte man vielfach kopieren und jeweils nur den Firmenname ändern. Mit einer wesentlichen Verschärfung in diesem Fall. Die ausführende Baufirma „Graf Designbau“ hat in seiner Leistungsbeschreibung sogar von Dichtbetonausführung geschrieben … 

Während irreführend die meisten Angebote nur „Dichtbeton“ schreiben. Ein kleiner aber entscheidender Unterschied. „Kellerwände mit Dichtbeton“ würde nur beschreiben dass ein guter Beton verwendet wird. „Kellerwände in Dichtbetonausführung“ muss zwingend als „Keller der auch ohne weiterer Abdichtungsmaßnahmen wasserundurchlässig ist“ verstanden werden.

Österreich: Weisse Wanne nach ÖBV-Richtlinie der „österr.Bautechnik-Vereinigung /// Deutschland: WU-Richtlinie vom Deutschen Ausschuss für Stahlbeton

Und die Herstellung eines wasserundurchlässigen Kellers wird in Österreich von der österreichischen Bautechnik-Vereinigung in einer Richtlinie beschrieben. In Deutschland vom deutschen Ausschuss für Stahlbeton. Es gibt weitere Formen, gelbe, braune, schwarze Wannen. Für alle gibt es Richtlinien und/oder Normen. Es ist also anzunehmen dass der „Stand der Technik“ wie auch die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ in diesen Richtlinien und Normen repräsentiert ist.

Im Besonderen der Endverbraucher hat Anspruch auf Bauleistungen nach „ALLGEMEIN ANERKANNTE REGELN DER TECHNIK“

Wer abseits dieser Richtlinien baut riskiert ein mangelbehaftetes Bauwerk, bzw. eine teure Reklamation. Nicht nur im Schadensfall! Schlussendlich hat man nur nach Einhaltung der „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ die maximale Sicherheit und damit die größtmögliche Chance mit seinem Bauwerk niemals Probleme zu bekommen.

Für Graf Design Baumanagement GmbH. tritt Herr Graf als Geschäftsführer auf, als gewerberechtlicher Geschäftsführer und Baumeister ist ein Herr Ing. Preßlauer eingetragen. Auf der Baustelle wurde dieser aber nie gesehen.

Demnach mein Ansprechpartner auf der Baustelle Herr Graf war/ist. Der kennt nun weder die „weisse-Wanne-Richtlinie“ noch die „WU-Beton-Richtlinie“. So verwundert es auch nicht dass im Keller so ziemlich alles fehlerhaft ausgeführt wurde.

Anbei ein Auszug aus meinem Schreiben nach der gemeinsamen Begehung:  „Sehr geehrter Projektbeteiligte, ergänzend zum vorangegangenen Schreiben halte ich wie folgt fest:

  1.  Der Keller ist laut Leistungsbeschreibung als „Dichtbetonkeller“ verkauft worden Umgangssprachlich und nach gängiger Rechtssprechung ist -meiner Meinung nach- ein „Dichtbetonkeller“ in der „weissen Wanne Richtlinie“ vom ÖBV. zu verstehen. Analog dazu die WU-Betonrichtlinie vom DAfStb. (Deutschland) Der gegenständliche Keller entspricht keiner dieser Richtlinien. Begründung: 1)Fugenband falsch eingebaut, 2) Kunststoffteile nicht zulässig, 3) Bewehrung zu gering, 4) Zulagebewehrung fehlt offensichtlich, 5) Beton falsch eingebracht, Kiesnester
  2. Der Keller wurde Aussen einlagig bituminös geflämmt, dies ist nur für den Lastfall Erdfeuchte zulässig. Zudem ist die Abdichtung fehlerhaft ausgeführt. Im Bereich zur Bodenplatte ist laut Angaben kein fachgerechter Hoch-Tiefzug ausgeführt worden.
  3. Die Versickerungsanlage ist fehlerhaft, bauschädlich ausgeführt worden. Ein Sickerschacht bergseitig, im 1m-Bereich (3m Mindestabstand zum Fundament!) zum Fundament liegend kann zu einer Fundamentunterspülung führen.  Es fehlen Wartungs- und Kontrollschächte  und sind Dränrohre nur in Stangenware normgerecht, auch die Schotter- und Vliespackung ist fehlerhaft.

Die Ziffern 1-3 führen -aus meiner Sicht- zur Sanierungsnotwendigkeit am Keller. Vertragsrechtlich hat Fam. A. vermutlich Anspruch auf einen Kellerabbruch. Ungeachtet der Möglichkeit nun eine fachgerecht ausgeführte 2-Lagenabdichtung nach ÖNORM B2209-1 aufzubringen, war ein Dichtbetonkeller bestellt worden. Demnach wäre dieser jedenfalls auszuführen. Fam.A. wäre vermutlich bereit einer Sanierung im Sinne einer 2-lagigen Abdichtung zuzustimmen. Vorausgesetzt alle anderen Punkte bleiben unstrittig und werden saniert:

  1.  Dachstuhl bleibt als Pultdach mit Foliendeckung, dafür wird ohne zusätzlicher Verrechnung der Dachstuhl im First- und Traufenbereich um ca. 80cm verlängert, rechts und links um cirka 20cm, jeweils über fertiges WDVS.
  2. Lichtschächte sind nicht auf fertig verputzte Oberflächen aufgesetzt, De- und Remontage nötig
  3. Sickerschacht wird im Rahmen der Kellersanierung auf den ursprünglichen geplanten Platz versetzt, Versickerungsanlage wird fachgerecht mit Stangenrohren, Wartungs- und Inspektionsschächten neu hergestellt
  4. Abdichtung Altbestand prüfen 2-lagige Abdichtung fachgerecht herstellen, Rohrdurchführungen mit Flüssigkunststoff abdichten, Klemmleiste im Bodenplattenbereich ausführen“

Herr Graf antwortet zwar, aber das aus meiner Sicht schon entgegenkommende Freigraben und 2x Abdichten des Keller will er nun nicht mehr leisten. Im Gegensatz zur Besprechung vor Ort! Es kommt wie das Amen im Gebet, der Hinweis dass ja während der Bauarbeiten auch kein Wasser feststellbar war. Nur soll der Keller die nächsten 100 Jahre funktionieren, nicht 10 Monate. Und nachdem rund um den Keller ein lehmiger, nicht gut wasserdurchlässiger Boden vorliegt muss jedenfalls mit anstauendem Wasser gerechnet werden. Auch der Wasserstand im Sickerschacht zeigt dass mit Wasser gerechnet werden muss. Und damit muss entweder Aussen abgedichtet oder als Dichtbetonkeller -was nichts anderes sein kann als eine „weisse Wanne“- ausgeführt werden!

Darüber hinaus gilt der Rechtsgrundsatz dass für Konsumenten mißverständliche Formulierungen immer im Sinne des Endverbrauchers zu werten sind. In der Regel besteht ein Ungleichgewicht zwischen Unternehmer und Endverbraucher…

Antwort auszugsweise, Teil 1 Antwort auszugsweise, Teil 2

Leider informiert mich die Auftraggeberin einige Zeit nach der Begutachtung vor Ort zu einem Wasserschaden, hoffentlich nur Kondensatbildung… :

Ich musst mit erschrecken feststellen, dass ich einige Tage (17.06.2013) nach Ihrer Besichtigung am 13.06.2013 einige Wasserflecken in unserem Keller am Boden entdeckt habe. Herr Graf hat sich diese Flecken angesehen und hat gemeint, er könnte diese Flecken mittels irgendwelcher Geräte trocknen lassen und beobachten, dadurch könnte er feststellen ob es sich hierbei um Feuchtigkeit im Boden oder um Kondenswasser handelt. Sollte der Kellerboden undicht sein würde dieser iniziert (verpresst) werden, dies würde eine kompetente Firma durchführen. Bezugnehmend auf die Isolierung der äußeren Kellerwände meinte Herr Graf, dass er dies nicht durchführen würde, da ich keine weiße Wanne bestellt habe sondern einen Dichtbetonkeller. Bis dato wissen wir leider nicht wann die Umsetzung der genannten Lösungen durch Herrn Graf stattfindet (er zögert es hinaus).  Anbei sende ich Ihnen Fotos von diesen Mängeln.

 

Nachfolgend die Bilder zu meiner Hausbegehung, nur zum Keller:

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Ein Gedanke zu „Was jetzt? Dichtbetonkeller oder weisse Wanne?

  1. Gabriele Reitinger-Kostrouch says:  

    hallo,
    ja mir erging es ebenso 2007/2008, ich mußte meinen Keller von einer anderen Firma schlussendlich sanieren lassen. Mein Projekt „Hausbau“ hat mir Nerven, Gesundheit, Familie gekostet. Da er ja nun in einem Sanierungsverfahren ist habe ich finanziell einen Verlust von 79.000 Eure durch ihn erlitten. Und er darf fröhlich weiterbauen … so sind die Gesetze in Ö.

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