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Was ist dran an Elektrosmog?

Vielleicht haben Sie sich auch schon öfter gefragt, ob und was denn dran sein könnte, wenn man von Elektrosmog spricht. Ist alles Einbildung oder kann Elektrosmog die Gesundheit beeinträchtigen?  Sollte man beim Hausbau oder Umbau etwas davon wissen und berücksichtigen?

Um Antworten zu finden ist es erst einmal wichtig zu wissen was gemeint ist, wenn man von Elektrosmog spricht. Elektrosmog ist ein Kunstwort, „Smog“ leitet sich aus den englischen Begriffen „smoke“ und „fog“ ab, kommt also von einer Luftverschmutzung, die durch das Zusammentreffen von „Rauch und Nebel“ entsteht. Man kann schon ahnen, dass bei der Elektro-Variante des Smogs mehrere Sachen gemeint sind und in einen Topf geworfen werden. Etwas genauer und beim Namen genannt geht es bei Elektrosmog hauptsächlich um elektrische Felder, magnetische Felder und elektromagnetische Wellen sowie deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanze. Verwendet man elektrischen Strom und Funktechnologien, sind die obengenannten Felder vorhanden.

Im Klartext, sobald eine elektrische Spannung anliegt (z.B. beim Anschluss eines Kabels an eine Steckdose) gibt es in der Nähe dieses Kabels ein elektrisches Wechselfeld. Es braucht dazu gar kein Strom fließen und  trotzdem ist dieses elektrische Feld vorhanden. Wenn man also abends im Bett liegt und alle Lichter und Verbraucher im Schlafzimmer abgedreht sind, ist man immer noch umgeben von elektrischen Feldern. Ein elektrisches Feld hat eine Kraftwirkung, gemessen wird die elektrische Feldstärke in V/m (Volt pro Meter).

„Messung elektrisches Feld im Schlafbereich“

Fassen wir zusammen:

Menschen sind elektrischen Wechselfeldern ausgesetzt, die durch die Vielzahl von elektrischen Geräten und Leitungen überall in unseren Wohnbereichen erzeugt werden. Die Felder bedeuten eine bestimmte Verteilung elektrischer Ladungen. Sinnvoll ist es eine räumliche Betrachtung vorzunehmen. Am Schlafplatz bedeutet das, mittels einer Messung an mehreren Punkten im Bett zu erfahren, wie sich die Werte im Kopfbereich zu den Werten in der Bettmitte bzw. im Fußbereich verhalten.

Abb. 1: Rastermessung vom elektrischen Feld an einem Schlafplatz, das elektrische Feld am Kopfende vom Bett beträgt über 160 V/m (Volt pro Meter). Aus biophysikalischer Sicht ist das ein hoher Wert. Ursache sind eingesteckte Kabel  entlang vom Kopfende und seitliche Nachttischleuchten. Die Person in diesem Bett  klagt über Unruhe und Schlafstörungen.

Der Zweck einer räumlichen Messung an mehreren Punkten liegt in der biophysikalischen Beurteilung. Aus biophysikalischer Sicht entsteht durch unterschiedlich hohe elektrische Felder eine Belastung für den Körper. Angenommen, man stellt durch eine räumliche Messung in einem Bett den Wert von 60 V/m im Kopfbereich und den Wert von 2 V/m im Fußbereich fest, dann bedeutet das  unterschiedliche Potentialverläufe an den Enden des Körpers der Person, die in diesem Bett schläft. Als Folge kommt es zu einer örtlichen Ladungsanhäufung, weil der Körper ja auch ein elektrischer Leiter ist und verschiebbare Ladungsträger (Ionen) enthält. Erst die räumliche Betrachtung zeigt somit die biophysikalische Wirkung. In diesem Beispiel handelt es sich um eine Belastung mit möglichen Folgewirkungen, je nach Sensibilität, Dauer der Exposition und Allgemeinzustand.

Nach weit über 1000 Messungen an Schlafplätzen ist meine Erfahrung, dass 3 von 4 Menschen aus biophysikalischer Sichtweise erhöhte elektrische Wechselfelder an ihrem Schlafplatz haben.  Die Folgen sind oft unruhiger Schlaf, fehlende Tiefschlafphasen, Menschen sind unausgeschlafen am Morgen. Bei Kindern konnte ich oft beobachten, dass unruhiger Schlaf, Bettnässen oder mit den Zähnen knirschen schlagartig verschwindet, sobald die elektrischen Felder im Bett beseitigt sind.

Abb. 2: Messergebnis ca. 10 Minuten später, die eingesteckten Kabel im Kopfbereich sind entfernt, die Nachttischleuchten sind ausgesteckt. Höchstwerte nur mehr ca. 2 V/m!

Das leitet jetzt auch über zur guten Nachricht:

So gut wie immer kann man mit einfachen Mitteln das elektrische Feld am Schlafplatz auf ein Minimum reduzieren, der gute Elektrotechniker weiß auch  wie. Einfaches Ausstecken von Geräten, geschirmte Kabel, der Einbau eines Netzabkopplers sind ein paar Möglichkeiten für eine Behebung. Allerdings sollten alle Maßnahmen durch Messungen (für den Fachmann: „potentialfreie Messungen“) begleitet sein. Nur so kann man sich vergewissern, ob eine Maßnahme überhaupt nötig bzw. sinnvoll ist.

Durch eine Nachmessung nach Durchführung von Abhilfemaßnahmen sollte man sich unbedingt davon überzeugen, ob der gewünschte Erfolg eingetreten ist. Es kann nämlich vorkommen, dass nach der Ausschaltung einer Feldursache erst eine andere (unter Umständen sogar stärkere) erst richtig in Erscheinung tritt. Beispielsweise kann sich nach Inbetriebnahme eines Netzabkopplers ein störendes Feld aus einem Nachbarraum oder –haus noch stärker bemerkbar machen. Solche Fälle erkennt man nur durch Nachmessung; sie erfordern weitere Maßnahmen. Hier sollte man keinesfalls am falschen Platz sparen.

Besonders gründliche Arbeit ist bei Holzhäusern angesagt. Holz ist ein wunderbarer biologischer Baustoff, aber in Bezug auf elektrische Felder hat es einen Nachteil: Es besitzt eine geringfügige Leitfähigkeit, die dazu führt, dass sich Elektrofelder ausbreiten. Dieser Effekt lässt sich nur durch konsequente Ausschaltung der Feldquellen (z.B. durchgängige Verlegung geschirmter Kabel!) vermeiden. DI FH Christoph Berger – Ingenieurbüro für Messtechnik; Link zur Autorenvorstellung von DI FH Christoph Berger

Copyright © Christoph Berger 2013

 

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