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Was dürfen Malermeister?

Malermeister Stefan Jr. hat zu gegenständlichem Schadensfall bei einem Dachausbau die Trockenbauarbeiten inkl. Dampfbremse sowie ein Aussen-Wärmedämmverbundsystem ausgeführt. Die Trockenbauarbeiten sind nahezu vollständig zu erneuern, die Dämmfassade kann saniert werden. Dennoch klagt der Malermeister …

 Berufsbild Maler & Beschichtungstechniker

Der frühere Maler & Anstreicher ist heute der „Maler und Beschichtungstechniker„, das Berufsbild ist gewachsen und moderner, und das ist gut so. Kaum ein Berufsbild wird so unterschätzt wie das des Malers. Besonders im privaten Bereich werden die Malerarbeiten gerne als Eigenleistung vorgenommen, Geld und Facharbeit eingespart. Es verwundert daher auch nicht dass oftmals Farben nicht halten und unsere Raumluft schwer belasten. Der Farbeinkauf im Baumarkt ist oft Glückssache, oder wo Kalkfarbe draufsteht ist oft kaum Kalk drin!  Die Gewerbeordnung wird laufend liberalisiert, damit ist bzw. war auch der Zeitpunkt gegeben das Berufsbild des Malers aufzuwerten. Zu Recht! Dennoch leider auch nur halbherzig. Die Maler dürfen nun auch Wärmedämmverbundsysteme ausführen, aber haben Sie auch das technische know-how dafür? In der Berufsbildbeschreibung zeigt man wenig Selbstbewußtsein:

…Schulisch wird es hier tiefergehende Lehrstoffe im Bereich Wärmedämmverbundsysteme, spezielle Oberflächenbeschichtungen und Gestaltungstechniken geben…

Die Information habe ich heute von einer Berufsbildinfo der Wiener Malerinnung geholt. Was bedeutet „wird es geben“? Jedenfalls sind die Leistungen zum Wärmedämmverbundsystem bei gegenständlichem Schadensfall katastrophal schlecht. Malermeister Stefan jr. stellt sich und seiner Branche damit kein gutes Zeugnis aus. Zur aktuellen Vorgehensweise den Kunden nun auch noch zu klagen sollen die Gerichte entscheiden. Malermeister Stefan jr. wurde jedenfalls zu den vorliegenden Mängeln informiert,  er war sogar bei der gemeinsamen Begutachtung dabei und wurde mehrmals zur Mängelbehebung aufgefordert. Schlussendlich auch über einen Brief von Anwalt Mag. Arthur Machac:

Sehr geehrter Herr Stefan jun.! Ich habe die rechtsfreundliche Vertretung der Familie Gmeinböck übernommen. Sie habe für meine Mandantschaft auf deren Liegenschaft diverse Arbeiten vorgenommen, die teilweise schwer mangelhaft sind. Der Innenausbau des Dachgeschosses ist in dieser Form nicht fachgerecht und bauphysikalisch mangelhaft durchgeführt worden und in dieser Form seitens meiner Mandantschaft nicht abnahmefähig. Weiters weist die bereits bezahlte Fassade (Gesamtpreis € 19.244,15) schwere Mängel auf. Diese wurden auch vom Sachverständigen Herrn Günther Nussbaum begutachtet und erlaube ich mir diese kurz zusammen zu fassen:

  • * bei den Fensterbänken fehlt rechts und links das Dichtband
  • * der Fensterbankneigung entspricht nicht der ÖNORM B5320 aus 2006
  • * der Anschluss von der Terrasse zum Eingang weist keine Hohlkelle mit Dichtspachtelung auf
  • * das Revisionstürchen für die Erdung ist nicht schlagregensicher ausgeführt
  • * bei der Zuleitung für den Blitzschutz ist der Wasserabweiser mangelhaft eingebaut, dies bedeutet Wasser rinnt in das Gebäude
  • * die Dichtstoppel zum Fallrohr sind auch nicht vorhanden
  • * der gesamte Fassadenabschluss ist nicht vor Feuchtigkeit geschützt
  • * es liegen umfangreiche Beschädigungen vor

Diesbezüglich haben auch die vorgenommenen Verbesserungen keinen Erfolg gebracht. Meine Mandantschaft erwägt daher eine Ersatzvornahme durchführen zu lassen.  Ich ersuche um Ihre Stellungnahme und verbleibe Mit vorzüglicher Hochachtung

Unabhängig davon stellt sich die Frage in wie weit ein Maler das ohnehin schon weit unterschätzte Gewerk des Trockenbauers ausführen darf. Stehen doch in der Bauschadensstatistik Fehler an der Luftdichtheitsebene ganz weit vorne! Kaum ein Architekt ist hier in der Lage alle An- und Abschlüsse dauerhaft luftdicht zu planen. Der Trockenbau-Facharbeiter muss umfangreiche Kenntnisse in Materialkunde, Bauphysik und dem Umgang mit Trockenbaukonstruktionen haben.

Kann und darf der Maler Trockenbauarbeiten durchführen? Malermeister Stefan jr. hat jedenfalls nur einen Gewerbeschein für Malerarbeiten

Eine Einigung mit seiner Kundschaft -aus dem gleichen Ort!- konnte leider nicht erzielt werden. Was nun auch nicht wundert, laut Angaben wurde die Frau des Hausherren von Herrn Stefan jr. „bedroht“ und im Zuge der Begutachtung durch den Sachverständiger hat Herr Stefan jr. beim Raustragen von Bauteilen den Türstock beschädigt. Was seitens der Hausleute als „mit Absicht“ bezeichnet wird, aber hier gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Der Ordnung halber wird an dieser Stelle darauf hingewiesen dass DIE MALERARBEITEN an der WDVS-Fassade einen sehr schönen und sauberen Eindruck machen…

Malermeister Stefan jr. wirbt auf seinen Verkaufsunterlagen mit „Unser Betrieb ist von der Wirtschaftskammer geprüft in der Verarbeitung von Wärmedämmverbundsystemfassaden. Zertifikat Nr. PZ 2008-0161 vom 28.01.2011“ Wir wussten nicht dass die WKO derartige Prüfungen durchführt und werden auch hier weiter recherchieren… 

Aktualisierung durch die „beklagten“ Hausherren:

 

Mittlerweile sieht man bei fast jeder Witterung und Lichteinstrahlung jede einzelne Platte der Fassade. Ich nehme an, dass es auch nicht besonders vorteilhaft war, dass die Fassade bei mehreren Minusgraden geklebt, verputzt und gemalt wurde. Es war so, dass wir die Fassade voll ausbezahlt hatten – dummerweise bevor die Arbeiten fertiggestellt wurden. Gleichzeitig stand die Baustelle im Obergeschoss (Trockenbau) still und wir waren am Verzweifeln. Daraufhin haben wir uns entschlossen ein Beweissicherungsverfahren anzustreben. Dies habe ich beim Bezirksgericht Gänserndorf eingebracht, welches wiederum den Malermeister zur Stellungnahme aufforderte. Malermeister Stefan reagierte daraufhin mit einem Schreiben seines Anwalts, dass er die Arbeiten natürlich selbst durchführen möchte und das Gericht erklärte deshalb das Beweissicherungsverfahren als hinfällig. Nachdem wir mittlerweile nur mehr wollten, dass dieser Schrecken endlich ein Ende hat, dachten wir, dass es so sein soll und forderten den Malermeister zur Beseitigung der Mängel laut Brief des Anwalts auf und setzten eine Frist.Die Angestellten des Malermeisters kamen, malten die Rückseite des Hauses noch einmal, bauten das Gerüst ab, schmierten ACRYL in die undichten Fugen rund um die Fenster und Fensterbänke, schmierten irgendeinen Putz oder Spachtelmasse auf den unteren Abschluss der Fassade und verschwanden. Malermeister Stefan selbst wurde auf die restlichen Mängel angesprochen, worauf er nur antwortete, dass er fertig wäre. Es kleben nach wie vor noch überall Kleber und Putzspritzer – der Rahmen der neuen Eingangstüre geht nicht mehr zu reinigen. Malermeister Stefan hat selbst versucht, diesen zu reinigen und es verblieben Flecken. Er gab daraufhin an, dass er da ein “Spezialmittel” dafür hätte und wiederkommen würde – seither haben wir nichts mehr gehört oder gesehen von der Firma – bis zu dem gegenständlichen Brief. Um wieder auf Ihre Frage zurückzukommen, warum er eigentlich geklagt hat: Er sagt nun, dass er den Trockenbau bis zu einem gewissen Prozentsatz fertiggestellt hat und wir ihm den Werklohn schulden würden. Ich habe den Brief des Bezirksgerichtes ebenfalls angehängt – siehe Beilage. Er versteht dabei anscheinend nicht, dass wir das unbrauchbare Bauwerk, welches er hergestellt hat, wieder entfernen mussten, um überhaupt neu beginnen zu können. So entstand uns ja schon der doppelte Materialaufwand, welchen wir normalerweise von ihm zurückfordern müssten, oder?! Was dabei noch sehr zum Nachdenken anregt – wir haben über 20 Rollen des nicht billigen Ampacoll Klebebandes auf sein Verlangen nachgekauft, obwohl ja bei jeder Rolle Dampfsperre 2 dieser Klebebänder dabei sind. Bei der Entfernung der durch ihn angebrachten Rigipsplatten haben wir jedoch entdeckt, dass er größtenteils kein Klebeband angebracht hat. Jetzt stellt sich mir die Frage: Wo sind die restlichen Klebebänder hingekommen?!!! Derzeitiger Stand der Dinge bezüglich Trockenbau – dieser wurde nach Entfernung durch die Firma xxxxxxx wieder neu hergestellt und verspachtelt. Inzwischen konnten wir das OG beziehen und haben die Sache mit dem Malermeister verdrängt, damit doch noch Freude mit dem neuen Lebensraum aufkommen konnte – jedoch kam jetzt eben die Überraschung. Da fällt mir auch gleich wieder die Lyoness Geschichte ein. Tagelang ist er uns in den Ohren gelegen (bevor er bei uns gearbeitet hat), dass wir eine Lyoness Cashbackkarte nehmen sollen – von ihm natürlich. Diese könnten wir dann auch bei der Bezahlung seiner Arbeitsleistung verwenden und würden dadurch einen Betrag von ein paar hundert Euro wieder rückerstattet bekommen. Wie sie sich vorstellen können, ist auch das nie passiert! Lyoness wurde von mir kontaktiert und die sagen wiederum, dass ich mir das mit dem Malermeister ausmachen muss. Hauptsache, er hat jeden belästigt, der bei uns aus und ein gegangen ist, während er bei uns war. Jedem hat er vorgeschwärmt, dass er bald nicht mehr arbeiten muss, weil man mit Lyoness so viel verdienen kann – ohne Aufwand. Er wollte mich auch ständig als Lyoness Vertriebspartner anwerben und auf fragwürdige Jubelveranstaltungen mitzerren. Vielleicht hab ich ihn dabei auch beleidigt, ….Es scheint nach wie vor, dass er das Unrecht seines gesamten Tuns nicht einsieht und von sich und seiner Leistung überzeugt ist.

Aktualisierung 05.02.2012: Information der Bundesinnung der Maler und Tapezierer

Die WKÖ selbst zertifiziert keine Betriebe. Es gibt jedoch eine Zertifizierung, die in den Bauakademien durchgeführt und von der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme im Fachverband der Stein- und Keramischen Industrie der WKÖ organisiert wird -> siehe Folder    „Der zertifizierte Facharbeiter für Wärmedämmverbundsysteme“

Malerbetriebe dürfen grundsätzlich keinen Trockenausbau durchführen. Diese Tätigkeit ist dem reglementierten Gewerbe Stuckateur und Trockenausbauer vorbehalten. Maler dürfen diese Tätigkeiten, nur im Nebenrecht gem. § 32 Abs.1 Z1 GewO im geringen Umfang (max. 10% der Gesamtauftragssumme) im Zusammenhang mit ihrem Gewerbe zufallenden Tätigkeiten durchführen.

Malerbtriebe sind gem. § 150 Abs. 14 GewO befugt, WDVS herzustellen (auszuführen). Das Recht, ihre Arbeiten zu planen, steht dem Maler, wie auch allen anderen Gewerbetreibenden, im Rahmen des zulässigen Umfangs ihrer Gewerbeberechtigung zu (§ 32 Abs1 Z8 GewO).

 

 

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