Sie sind hier: Bauherrenhilfe.org > Bauen > Wärmebilder aus dem Supermarkt

Wärmebilder aus dem Supermarkt

Das Titelbild zeigt mit korrekter Grammatik worum es bei der 99-Euro-Wärmebildaktion wirklich geht. Um I H R E  Schwachstellen, nicht um die ihres Gebäudes. Wieder einmal fallen Konsumenten auf die Werbetricks der Werbeprofis herein. Obgleich man den Werbern keine Vorwürfe machen darf, der Erfolg orientiert sich nicht am Inhalt der Werbeaussagen…

4 schlechte Fotografien für 99Euro

Wir haben schon im Vorjahr an der Aktion teilgenommen und uns auch jetzt wieder angemeldet. Zum Vorjahr ist anzumerken dass wir in einem Fall nicht einmal kontaktiert worden sind. Heuer läuft es scheinbar anders, die 99Euro sind im Voraus zu bezahlen, wenn Mann oder Frau nicht dran kommt wird zurückbezahlt.  Die Aktion an sich wäre perfekt, es schadet nicht einen Überblick über thermische Gebäudeschwachstellen zu erhalten. Wir haben einen Bericht über eine 99-Euro-Thermografie erhalten. Stellen fest das von den 11 Seiten die man für 99 Euro erhält nur 2 Seiten Bilder zum Gebäude zeigen. Gesamt 4 Thermografien, mehr schlecht als recht eingestellt, unscharf, unvollständig, NICHT aussagekräftig. Die Innentemperatur -obgleich relevant- wird gleich gar nicht angegeben, ebenso wenig ein Emissionsgrad, der Kameratyp auch nicht. Die 99 Euro bringen somit nicht nur keine Erkenntnisse, das wäre aufgrund des Preises vermutlich verschmerzbar. Sie führen aber in die Irre, die Auswertung soll der Kunde über die restlichen 9 (2 davon Werbung) Seiten S E L B S T vornehmen. (Wir bilden den Bericht nicht vollständig ab)

Häuslbauer wird zum Gynäkologen

Wir rufen die Gynäkologen auf eine 3D-Utraschall-Aktion für schwangere Mütter -und überhaupt für alle- auszuschreiben. Statt 12 Euro beispielsweise nur 1 Euro! Der Gynäkologe müßte vermutlich den Scanner gleich dem Patienten geben, der dann auch die Auswertung alleine vornimmt. Eventuell wäre das mit einem Münzautomat rentabel. Nein, Spaß bei Seite, das kann nicht klappen. Eine ordentliche Befundung zu einem Gebäude wird vorwiegend V O N  I N N E N  stattfinden müssen. Dazu anbei auch ein Artikel von der Gesellschaft für Thermografie: Vergleich Innen- und Außenthermografie

Aussenthermografie ist Scharlatanerie

Hier sind Wettereinflüsse -Sonne, Wind, Regen,.. – nur stark abgemindert vorhanden. Bei einer speicherfähigen Fassade, beispielsweise Ziegelwand mit mineralischem Dickputz bleibt die Sonnenenergie noch Stunden danach maßgeblich. Bei Dachvorsprüngen „streicht“ die warme Luft bei Windstille an der Fassade entlang nach oben. Es hat dann den Anschein als würde beim Dachvorsprung eine Wärmebrücke vorliegen, die Wärme staut sich hier und erwärmt die wiederum speicherfähigen Holzteile Dachstuhl.  Nicht so bei Windeinfluss, dafür kühlt der die Oberflächen wiederum so stark ab dass Wärmeunterschiede „weggeblasen“ werden. Demnach die Außenthermografie ein nettes Beiwerk, aber niemals die gesamte Befundaufnahme darstellen kann. Nette Büdln halt, nur wird das so nicht verkauft… Einschränkungen werden bei der Baumax-Aktion nicht genannt.

Baumarkt-Qualität im Sachverständigenwesen

Jeder Baumarkt hat eine wichtige Funktion, es kann ja nicht sein daß Baustoffe nur für Profis (wenn sie das immer wären) zur Verfügung stehen. Aber nicht immer findet sich die „Profi-Qualität“ in den Baumärkten. Sie können im Baumarkt Abdichtungsmaterialien finden welche für beispielsweise eine Terrassenabdichtung gar nicht zulässig sind. Oder Dachfenster welche eigentlich keine Zulassung für Österreich haben. Teure -und Gute- Dübel-Klebeanker finden sie ebenso selten wie hochwertige WU-Betone und Klebebänder. Die vorhandenen Produkte sind aber durchaus geeignet für gute und haltbare Bauwerke, nicht immer aber auch für normgerechte. Der Begriff „Baumarkt-Qualität“ hat schon Einzug gehalten im deutschen Sprachgebrauch. Wird also richtig verstanden, aber…

Thermografie ist Sachverständigenarbeit, sollte also nicht im Zusammenhang mit „Baumarkt-Qualität“ stehen. Wenn das nun aber doch der Fall ist möchten wir dazu wenigstens aufklären. Eine „echte“ Befundung mittels hochwertiger und sensibler Wärmebildkamera kostet zwischen 500 und 1000 Euro, ist also für eine Massenwerbung nicht geeignet, dafür aber entsprechend wertvoll.

Share

Ein Gedanke zu „Wärmebilder aus dem Supermarkt


  1. Sehr geehrte Redaktion!
    Ihre Aussagen, insbesondere Ihr Statement, dass Thermografie Sachverständigenarbeit sei,
    ist voll zu unterstützen.
    Bauthermografische Berichte von Laien erstellt,sind entweder ein Werbegag oder Scharlatanerie.
    Berücksichtigt man, dass für eine seriöse Untersuchung (die Basis für eine anschließende thermische Sanierung sein kann) eines Einfamilienhauses ein Zeitaufwand von ca. 4 – 6 Stunden gegeben ist,
    istimmt auch Ihre Preisangabe.
    Gerne laden wir Ihre Leser ein, sich unser Video zu diesem Thema (9,5 Minuten) unter
    http://video.thermografie.cc/
    anzusehen (ein Download ist aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht gestattet).
    Mit besten Grüßen
    Prof. Ing. F. Mendel
    Generalsekretär
    ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR THERMOGRAFIE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.