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So weit muss Sanierung gehen

2014_05_IG_Passivhaus_1Doch wie weit ist „so weit“? Darüber konnten sich die Besucher beim Informationstag der IG PASSIVHAUS am 17.5. 2014 informieren.

Alle sind sich einig, dass die Sanierung von Gebäuden wichtig und gut ist. Aber muss deswegen aus jedem Altbau ein Passivhaus werden? Welche Maßnahmen sinnvoll sind, ist wohl in jedem Einzelfall zu entscheiden. Und da kommen die Fachleute ins Spiel. Denn man kann viel falsch machen. Tauscht man nur die Fenster, kann es zu massiven Schimmelproblemen kommen. Ebenso, wenn nur einzelne Wände gedämmt werden. Die Behaglichkeit wird sich auch kaum verbessern, wenn nur der Heizkessel gegen eine Luftwärmepumpe getauscht wird.

Aus diesem Grund hat die IG PASSIVHAUS – im Rahmen der Architekturtage 2014 – zum Informationstag in das ehemalige Postgebäude in der Wiener Mondscheingasse geladen. Über 60 Besucher kamen zu den spannenden Vorträgen, nutzten die Innovative Gebäudeberatung „7auf1streich“ oder informierten sich am Stand der Fa. Internorm über neue Fensterinnovationen. Den Abschluss bildete Frau Prof. Dr. Karin Stieldorf mit interessanten Details über LISI – den österreichischen Gewinner des internationalen Solar Decathlon-Wettbewerbs 2013.

Voll- oder Teilsanierung

Seit Jahren wird von allen Seiten vehement eine Sanierungsrate von 3% gefordert, die jedoch ebenso hartnäckig seit Jahren bei 1% dümpelt. Dabei handelt es sich allerdings um die Gesamtsanierungsrate, also um Gebäude die komplett saniert werden. Teilsanierungen, wie Fenstertausch oder Heizungstausch etc. werden sehr viel öfter ausgeführt. Auch sie bringen in Summe einiges, ohne natürlich den gleichen energetischen Nutzen zu erzielen. Die Gefahr besteht allerdings, dass einer Teilsanierung keine weiteren Schritte folgen und das betreffende Gebäude viel schlechter ist als es nach heutigem Standard sein könnte, oder dass durch die Teilsanierung sogar neue Probleme auftauchen.

Warum sanieren

Die Motivation für eine Sanierung kann vielfältig sein:

  • Es wird mehr Platz benötigt
  • Die Energiekosten sind zu hoch
  • Die Behaglichkeit soll verbessert werden
  • Die Haustechnik ist erneuerungsbedürftig
  • Bauliche Mängel sollen behoben werden

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 40 oder mehr Jahren hat eine Energiekennzahl von etwa 200kWh/m²a. Ein Neubau nach heutigem Standard liegt unter 20kWh/m²a, braucht also 10 Jahre um die Energie zu verbrauchen, die ein Altbau in einem Jahr verheizt. Angenommen eine Teilsanierung erreicht die Halbierung des Energieverbrauchs, liegt also bei 100kWh/m²a. 50% Verbesserung klingt natürlich gut, ist aber immer noch das Fünffache eines Neubaus und damit die fünffache Klimabelastung für die nächsten 20 Jahre. Eine ambitionierte Gesamtsanierung macht aus einem Altbau praktisch einen Neubau mit einer Energiekennzahl von vielleicht 30-40kWh/m²a. Und das zu Kosten die deutlich geringer sind als ein Neubau.

Was bringt eine Gesamtsanierung

  • Die Platzprobleme sind beseitigt
  • Die Energiekosten entsprechen dem heutiger Neubauten
  • Die Behaglichkeit ist bei guter Qualität einem Neubau entsprechend
  • Die Haustechnik ist komfortabel, sicher und ermöglicht den Einsatz erneuerbarer Energieträger
  • Die Gebäudehülle entspricht technisch heutigen Anforderungen
  • Infrastrukturkosten, Landverbrauch, Abbruchkosten wurden vermieden

Um es mit Werner Lampert, dem Bio-Pionier von „Zurück zum Ursprung“ zu sagen: „So weit muss Sanierung gehen“, wenn sie ökologisch nachhaltig sein soll. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hat 2011 die Steigerung der Sanierungsrate als eine wichtige Maßnahme mit Vorbildwirkung in Europa bezeichnet. Von einer solchen Sanierungsoffensive würden alle profitieren. Die Bewohner durch größere Behaglichkeit, Gesundheit und geringere Energiekosten. Österreich im gesamten, weil Sanierung Arbeitsplätze schafft, weil aktiver Klimaschutz betrieben wird und das Geld im eigenen Land bleibt. Also eine klassische WIN-WIN Situation für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Umwelt.

Expertenhotline der IG

Ein Grund für misslungene Gebäudesanierungen ist die einseitige Beratung. Fragt man den Installateur wird er für die Erneuerung der Heizung plädieren. Fragt man den Baumeister, wird er bauliche Maßnahmen empfehlen. Was die Fensterfirma sagt, können Sie sich denken. Deshalb ist es wichtig einen neutralen Berater zu haben. Die IG PASSIVHAUS hat zu diesem Zweck die EXPERTENHOTLINE eingerichtet – die Anlaufstelle für alle Fragen des ganzheitlichen Bauens und Sanierens. Die Beratung ist nicht kostenlos aber sie wirkt.

Zukunftsheuriger zum Thema Holz

Die nächste große Veranstaltung der IG PASSIVHAUS findet am 12. 6. 2014 in Großinzersdorf statt und steht unter dem Motto „Innovation ist die Energie von morgen“. Näheres auf Quelle: www.igpassivhaus.at

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