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Sachverständige als Retter in der Not! Aber leider nicht immer…

Nur sehr ungern warnen wir vor Gutachtern oder gar vor den hoch angesehenen Gerichtsgutachtern. Es könnte ja der Eindruck entstehen, man könne sich auch auf Sachverständige nicht mehr verlassen. Auf wen denn dann? Daher sei diesem Beitrag vorausgeschickt, dass in jedem Berufszweig mit zuverlässigen und weniger zuverlässigen Personen zu rechnen ist. Eine pauschale Verurteilung darf es in keinem Fall geben. Der Sachverständige gilt immer noch als letzte Bastion zu Bauproblemen und der allenfalls auftretenden Frage, wie nun wirklich „fehlerfrei“ gebaut werden kann.

Der Bausachverständige wird oftmals dem praktischen Arzt gleichgesetzt. Zuerst mal mit seinen Wehwehchen dahin gehen, er wird schon wissen, welcher Facharzt dann der richtige ist.

Hier gleich die erste Warnung:

Der Baubereich ist in sehr viele Fachbereiche unterteilt. Ob Bauphysik, Statik, Geotechnik, Mauerwerks-, Betonier-, Dach-, oder Fassadenarbeiten, Stahlbau, Fenstereinbau oder das ebenfalls unüberschaubare und weiter zu unterteilende Feld der Heizungs- oder Elektrotechnik, schon alleine die Frage, warum ein Beton Schaden genommen hat, kann leicht 5 Sonderfachleute und Labore beschäftigen.
Wer seine Bauprobleme nicht genau evaluiert und herausfindet, in wessen Fachbereich diese fallen, gerät auch hier schnell an den Falschen, was im Falle von Gutachter Herbert Auinger schon mindestens zwei uns bekannten Kunden einiges an Ärger eingebracht hat.

Der „Bausachverständige“ oder „Gerichtsgutachter für Hochbau“ sowie auch der „Ziviltechniker“ kann einen Sachverhalt gut analysieren und behält zumindest den Überblick. Im Detail wird er sich bei komplexen Sachverhalten aber spezialisierter Fachgutachter bedienen.

Vermutet man nun bei seinem Hausbau Probleme, ist man gut beraten, diese in die jeweiligen Fachgebiete zu unterteilen.

  • Probleme mit der Heizung? Dann gleich zum Heizungstechnik-SV.
  • Probleme mit dem Dach? Dann bitte zum Dachdecker-SV. Aber Achtung! Ist das Dach mit Blech gedeckt, dann ist der Sachverständige für Bauspenglerarbeiten zuständig, nicht der Dachdecker.
  • Und was, wenn die Terrasse ständig undicht ist? Ist da der Baumeister zuständig? In der Regel nicht. Da sind Dachdecker und Bauspengler oder/und Gebäudeabdichter spezialisiert.
  • Vorsicht auch beim Keller: wurde der Keller außen hautförmig abgedichtet, wird wiederum der Gebäudeabdichter bzw. Schwarzdecker/Dachdecker zuständig sein und nicht der Baumeister. Wurde der Keller als „weiße Wanne“ ausgeführt, ist dann doch wieder der Baumeister zuständig. Oder doch der Statiker, wenn Risse Wassereintritte verursacht haben? Vielleicht der Geotechniker, weil eine Versickerungsanlage (Dränage) eingebaut wurde und trotzdem die Kellerfenster geflutet werden? 

In jedem Fall sollte man vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung die Ursachen exakt und unmissverständlich über einen Privatgutachter erheben.
In einem Privatgutachten sind die Mängel nicht nur zu beschreiben, es sind je nach Datum der Errichtung die damals gültigen „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ zu ermitteln. Der Privatgutachter hat die nicht eingehaltenen Normen und Richtlinien zu beschreiben. Dazu sind auch die vertragsrechtlichen Grundlagen zu erheben!

  • Aufklärungsbedarf gibt es offenbar zur Bezeichnung „Gerichtsgutachter“

Der Gerichtsgutachter kann in seiner Eigenschaft der gerichtlichen Beeidigung nur vom Gericht bestellt werden. Auch der Gerichtsgutachter ist im privaten Auftrag einer Partei nur Privat- oder Parteiengutachter. Er wurde von einer Partei und nicht vom Gericht bestellt. Sein Privatgutachten ist genauso zu bewerten wie das eines nicht gerichtlich beeideten Sachverständigen. Es muss vor Gericht „beweis-gewürdigt“ werden.
Wichtig ist vor allem eines: Der Inhalt! Mängel müssen ordentlich befundet und im Gutachten beschrieben und bewertet werden. Die Berufung zum Gerichtsgutachter ist in der Form und EU-weit nur mehr in Österreich und Deutschland zu finden. Parallel dazu und darüber hinaus gibt es zahlreiche sonstige anerkannte Zertifizierungen. Wie oben beschrieben gilt es jedoch herauszufinden, welcher Gutachter mit seinem Fachgebiet für mich der richtige ist.

In einem Fall ist Gerichtsgutachter Auinger besonders auffällig geworden:
Auf einer Baustelle wurde gepfuscht. Ein privater Bauherr hat Auinger zur Überwachung der Sanierungsarbeiten bestellt. Auinger hat seine Leistungen mit rund 57.000 Euro abgerechnet. (!) Es wurden beispielsweise Stunden verrechnet für das Schreiben und Vorbeibringen der Rechnung oder für die Suche nach einer Stenografin, was natürlich absolut unüblich ist.
Besonders dramatisch:
Es gab am Ende immer noch Baumängel! Hier hätte der Auftraggeber vor Beauftragung in der Gerichtssachverständigenliste genauer nachsehen sollen. Auinger, der sich in seinen Werbeunterlagen als Gerichtsgutachter ausgibt, jedoch die Fachgebiete nicht anführt, ist tatsächlich zu folgenden Fachgebieten (Stand 25.10.2014) zertifiziert:

  • FG.Nr. 72.01 Hochbau und Architektur, aber sachlich beschränkt auf „Sonnenarchitektur“.
  • FG.Nr. 72.85 Alternative Energietechnik, aber sachlich beschränkt auf „Baubiologie und Umwelttechnik.
  • FG.Nr. 73.10 Maurerarbeiten.

Mängel am Fenstereinbau, dem Dach, der Dampfbremse und der Wärmedämmverbundsystem-Fassade wurden „übersehen“. Der Fall wurde im Rahmen der ATV-Sendung „Pfusch am Bau“ dokumentiert. (Staffel 6, Familie Ebser)

Ebenfalls „zu Gast“ bei Pfusch am Bau war der Gerichtssachverständige Georg-Gerhard Wunder. Er hat die Familie Illaunig (Bild) bei einer Fensterbanksanierung (Häuserland Kärnten, bereits in Konkurs: http://bauherrenhilfe.org/aarealfinanz-service-gmbh-hauserland-karnten/ ) begleitet.
Die Arbeiten der Handwerksfirma sollten beaufsichtigt, die einwandfreie Qualität durch SV Wunder sichergestellt werden. Gerichtsgutachter Wunder ist für folgende Fachgebiete in die Gerichtssachverständigenliste eingetragen:

  • FG.Nr.  39.10 Bautischlerarbeiten
  • FG.Nr.  39.11 Möbeltischlerarbeiten, Kunsttischlerarbeiten, Möbelerzeugnisse, Möbelhandel 

Die geschädigte Familie Illaunig ging davon aus dass SV Wunder jedenfalls befähigt sei einen Aussen-Fensterbank-Einbau zu überwachen. Doch offensichtlich war das ein Irrtum. Die richtige Neigung, der Einbau, die Dichtbänder zur Fassade. Allzuviel gilt es bei dieser einfachen Arbeit nicht zu berücksichtigen.
Dennoch hat die Neigung nicht gepasst, Dichtbänder wurde überhaupt nicht eingebaut. (!)

Daher gilt auch für die Sachverständigenauswahl:
„Drum prüfe wen man an sein Haus bindet“. Beschreiben Sie immer auch beim Auftrag an Sachverständige was Sie sich von diesem erwarten. Hinterfragen Sie Fachgebiete immer auch schriftlich, definieren Sie Ihre Anforderungen, klären Sie den Kostenrahmen!! 

Zu beiden Beispielen hier nochmals der Hinweis der Redaktion, dass die beiden Gerichtsgutachter zu Ihren eingetragenen Fachgebieten sicher ein hohes Fachwissen aufweisen. Es soll hier aber auch der Vorwurf erlaubt sein dass man den Kunden nicht ausreichend vorinformiert hat. Auf die geführten Reklamationen hat die Redaktion trotz Urgenzen bis dato keine Antwort erhalten. Man hüllt sich in Schweigen.

Auszüge aus den Standesregeln vom Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs:

  • Der Sachverständige hat sich im Rahmen der Standesreglen zu bewegen.
  • „Bei Zweifel an seiner Sachkompetenz“ hat der Sachverständige die Übernahme des Auftrags abzulehnen bzw. bei Zweifel einzelner Teile ist ein weiterer Sachverständiger zuzuziehen.
  • In jedem Stadium der Gutachtenarbeit sind alle Gründe dem Auftraggeber mitzuteilen, die seine Unabhängigkeit, Objektivität und Unparteilichkeit fraglich erscheinen lassen könnten. 
  • Liegen Gründe vor wie Befangenheit oder fehlender fachlicher Kompetenz für den konkreten Auftrag, ist der Auftrag vom Sachverständigen abzulehnen.
  • Nicht gemäßes Verhalten eines Sachverständigen ist dem jeweiligen SV-Verband zu melden.
  • Link zum Hauptverband der gerichtlich beeideten Sachverständigen ->  Standesregeln

 

 

 

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