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Prävention von Schimmelpilzbefall

Sommerzeit ist Schwammerlzeit!

Das Thema passt einfach zur Jahreszeit, Pilze! Manche von uns freuen sie sehr auf diese Zeit im Jahr, wenn sie bei ausgedehnten Spaziergängen in unseren Wäldern manche Köstlichkeit in Form von Steinpilzen oder anderen Edelpilzen finden können.

Problematisch wird es erst, wenn Pilze in unseren 4 Wänden geeignete Plätze zum Wachsen finden und sich in Form von Schimmelpilzen an Wänden, Einrichtungsgegenständen oder Nahrungsmittel manifestieren. Was Sie nun machen können um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen habe ich im Artikel

„Prävention von Schimmelpilzbefall“ zusammengefasst:

Um einen Schimmelpilzbefall in lnnenräumen zu vermeiden, können die im Folgenden aufgeführten vorbeugenden Maßnahmen effektiv und hilfreich sein. Die aufgelisteten Maßnahmen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Prinzipiell muss vom Nutzer von Gebäuden auf eine gewisse Hygiene geachtet werden. Staubansammlungen sollten vermieden bzw. regelmäßig entfernt werden. Staub dient den sehr genügsamen Schimmelpilzen einerseits als Nahrung, andererseits können in 1cm³ Staub tausende, keimfähige Schimmelpilzsporen enthalten sein.
  • Neubauten vor dem Bezug austrocknen lassen. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang die Ausgleichsschüttungen von Bodenaufbauten messtechnisch auf deren Baustofffeuchtigkeit zu prüfen bevor der Bodenaufbau fertiggestellt bzw. der Estrich eingebracht wird! Für die Nachvollziehbarkeit sollte ein Messprotokoll angelegt werden. ACHTUNG die Messung muss mittels kalibrierbaren Messgerät erfolgen. Die Kalibrierung muss vom Hersteller durchführt werden und sollte nicht länger wie 2 Jahre zurückliegen.
  • Besonders Augenmerk sollte von der Bauaufsicht auf die Umsetzung der Ausführung der Bauanschlussfugen von Fenster- und Türelementen nach ÖN B5320 gelegt werden!
  • Zur Überprüfung der herrschenden Raumkonditionen und zur Beurteilung des richtigen Lüftungszeitpunktes ist die Nutzung einen Thermohygrometers unumgänglich. Die Raumtemperatur sollte nicht unter 20°C sinken, die rel. Luftfeuchtigkeit nicht dauerhaft über 55% steigen.
  • Während der Herbst- und Wintermonate kommt es häufig zum Kondensat Ausfall an der Innenseite der Glasflächen der Fenster. Das Kondensat muss entfernt werden um Folgeschäden wie die Durchfeuchtung von Laibungsbereichen entlang der Fensterbank oder Feuchteschäden an Holzböden zu vermeiden.
  • Während der kalten und feuchten Jahreszeit sollten auch weniger genutzte Räume beheizt werden. Vor allem dann, wenn sich die Wohnung in einer Ebene befindet sollte darauf geachtet werden, dass alle Räume annähernd die gleiche Raumtemperatur aufweisen.
  • Räume bei Nichtnutzung nicht auskühlen lassen. Schlafzimmer auch tagsüber beheizen.
  • Optimierung der Lüftungsgewohnheiten (hygienische Querlüftung). Ein wiederholtes Querlüften (etwa drei- bis viermal täglich für 10-15 Minuten) mit weit geöffneten Fenster und Türen ist der ständigen Spaltlüftung vorzuziehen. Mit der Querlüftung wird der das gesamte Luftvolumen eines Raumes in kürzester Zeit ausgetauscht! Bei der Spaltlüftung mit gekippten Fenstern kommt es kaum zu einem vollständigen Austausch der Raumluft. Außerdem unterkühlen vor allem die Laibungsbereiche der Fenster und bilden dadurch ein erhebliches Potential für einen mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze (Kondensat Bildung an den Laibungen durch Taupunkttemperatur Unterschreitung).
  • Ist die Wohnung (das Gebäude) unter Tags unbewohnt, reicht es zweimal täglich zu lüften. Der erste Lüftungsvorgang sollte vor dem Verlassen der Wohnung stattfinden, der zweite nach dem Duschen und vor der Nachtruhe.
  • Bettdecken sollten während dem Tag zurückgeschlagen werden. Wird die Bettdecke auf die Matratze gelegt kann die, während der Nacht durch die darin schlafenden Personen eingebrachte Feuchtigkeit nur sehr langsam entweichen. Außerdem unterstützt man dadurch die starke Vermehrung von Hausstaubmilben, die sich in warmen, feuchten Milieus sehr wohl fühlen.
  • Keine dichten, bodenlangen Vorhänge in Fenster- und Eckbereichen verwenden. Diese Textilien wirken wie dampfdiffusionsoffene Wärmedämmungen und verhindern die Erwärmung der dahinter liegenden Baustoffe bzw. Wände. Dadurch kann es zur Kondensation oder hygrothermischen Effekten an bzw. hinter den verdeckten Bereichen kommen und in letzter Konsequenz zum mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze.
  • Einrichtungsgegenstände nicht direkt an die Außenwände oder Trennwände von unbeheizten Räumen stellen, sondern Abstand für die Luftzirkulation lassen. ACHTUNG: Standsockel für Kästen behindern die Konvektion! Prinzipiell sollten nach Möglichkeit keine Möbelstücke an Außenwände oder an Trennwände zu nicht beheizten Räumen (Stiegenhäuser, Liftschächte) gestellt werden.
  • Prinzip der Schimmelbildung hinter Möbel bzw. Gegenständen vor einer Außenwand oder Trennwand zu unbeheizten Räumen: Möbel wirken auf die dahinterliegende Wand wie eine dampfdiffusionsoffene Dämmung, die Wand kann sich hinter dem Möbelstück nicht ausreichend erwärmen. Trifft nun warme und feuchte Raumluft auf die kühlen Flächen entsteht Kondensat und bildet die Grundlage für den Befall. Im Folgenden eine schematische Darstellung des Vorgangs. Die Raumluftfeuchte wird durch Diffusion bis hinter dem Schrank verteilt, die Temperaturausbreitung gelangt durch Konvektion jedoch nur bis vor den Schrank.
Bild zu Artikel von Ing Böhm

Quelle: Zusammenhang zwischen Bauphysik und Schimmel

  • Bereiche mit unzureichender Luftzirkulation müssen schon bei der Planung vermieden werden. Sollte es sich nicht vermeiden lassen muss eine Möglichkeit zur Beheizung dieser Bereiche vorgesehen werden.
  • Durch Luftbefeuchter an Heizkörpern und durch Zimmerspringbrunnen wird zusätzlich Feuchtigkeit in das Raumvolumen eingebracht. Unter Umständen kann es zu einem Eintrag von Bakterien, Pilzbestandteilen und Sporen in die Raumluft kommen. Das Wasser in den Luftbefeuchtern verdunstet langsam, durch die hohen Temperaturen und dem vorhandenen Nährstoffangebot vermehren sich Mikroben sehr stark und heften sich an die Oberfläche von Werkstoffen und bilden einen Film aus schleimartigen Exopolysacchariden, allgemein als Biofilm bekannt! Deshalb sollte auf die Benutzung von Luftbefeuchtern verzichten werden bzw. muss ein hygienischer Betrieb gewährleistet sein.
  • Feuchträume und Küchen mit Dunstabzügen mit Abluftanschluss ins Freie ausstatten. Um die Funktion dieser Abluftgeräte zu gewährleisten müssen die Filter in regelmäßigen Abständen gewechselt werden. Das Intervall ist vom Verschmutzungsgrad abhängig. Die Filter aller Abluftgeräte sollten aber mindestens zweimal jährlich gewechselt werden.
  • Nach bzw. während dem Kochen Quer- bzw. Stoßlüften.
  • Abfalleimer, insbesondere aber Sammelbehälter für Bio- und Restmüllabfälle, häufig entleeren und reinigen (Schimmelpilzallergiker sollten den Behälter nicht selbst reinigen). Die Behälter dürfen nicht direkt in der Sonne stehen oder vor Heizkörper platziert werden. Durch die Wärmeeinwirkung wird die Entwicklung von Bakterien und Pilzen gefördert!
  • Keine bzw. nur kurzfristige Lagerung von Biomüll in Wohnungen oder Wohnräumen bzw. Gebäuden.
  • Nach dem Duschen oder Baden das Badezimmer ausreichend lüften.
  • Bäder sollten möglichst mit einem Fenster zum Lüften ausgestattet sein oder über einen ausreichend dimensionierten Ventilator mit Nachlauffunktion verfügen.
  • Außerdem muss Spritzwasser auf Fliesen, Wänden und Böden entfernt werden. Am besten mit einer Abziehlippe aus Gummi. Spritzwasser wird auch durch die Nachlauffunktion von Abluftventilatoren nicht vollständig auftrocknen. Durch das Verdunsten des Spritzwassers wird die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, vor allem im Badezimmer erhöht, außerdem hinterlässt das verdunstete Spritzwasser Kalkflecken auf den Fliesen!
  • Bei Tierhaltung ist die Spreu regelmäßig zu wechseln. Bei Aquarien ist darauf zu achten, dass diese immer abgedeckt sind um eine Verdunstung des Wassers weitestgehend zu verhindern.
  • Blumenerde enthält, bei schlechtem Pflegezustand der Pflanzen, oft erhöhte Mengen an Schimmelpilzen. Die Erde sollte regelmäßig gewechselt werden andernfalls können große Mengen an Pilzsporen in den Wohnraum eingebracht werden. Kein Wäschetrocknen in der Wohnung! Durch das Aufhängen der nassen Wäsche in der Wohnung können bis zu 10l Wasser verdunsten und die relative Luftfeuchte entsprechend erhöhen! Wäsche in der Wohnung, also nur in einem Kondensationstrockner trocknen. Ablufttrockner müssen an ein Abluftsystem angeschlossen werden, dass die feuchte Prozessluft des Trockners ins Freie führt.
  • Feuchte Schuhe, Kleider, Ledersachen oder ähnliches nicht in Schränken lagern, diese Gegenstände müssen erst getrocknet werden!
  • Textilien, Lederbekleidung oder Schuhe nicht im Keller lagern. In Kellern,vor allem bei Altbauten, herrscht in der Regel ein feuchtes Raumklima, dass den mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze fördert.
  • ACHTUNG bei der Lüftung von Kellerräumen! Es muss darauf geachtet werden, dass durch die eingebrachte Frischluft keine Taupunktunterschreitung an erdanliegenden Wänden stattfindet. Dadurch würde sich Kondensat bilden und damit die Grundlage zu einem möglichen mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze. Grundsätzlich sollte auf eine Lüftung der Keller in der warmen Jahreszeit vermieden werden. Aus diesem Grund ist bei Lüftungsanlagen in Kellern auf eine richtige Konditionierung der Zuluft in den Keller zu achten!
  • Baumängel beheben (defekte Rohrleitungen, Mauerrisse, aufsteigende Feuchtigkeit aufgrund mangelnder Gebäudeabdichtung, Außenputzschäden, Undichtigkeiten von Dächern, vor allem von Flachdächern).
  • Bei Renovierungsarbeiten Materialien auswählen, die als Feuchtepuffer dienen können. So ist beispielsweise das Speichervermögen eines offenporigen Kalk- oder Kalkzementputzes in Verbindung mit einem Kalk- oder Mineralfarbenanstrich gegenüber Feuchte wesentlich größer als das eines Gipsputzes in Verbindung mit einem Dispersionsanstrich. Außerdem behindert der hohe pH-Wert von Baustoffen aus Kalk bzw. Zement die mikrobielle Besiedelung.
  • Innendämmungen von Wänden sollten prinzipiell dampfdiffusionsdicht ausgeführt werden, es sei denn es werden aufeinander abgestimmte Dämmsysteme aus Kalziumsilikatplatten verwendet. ACHTUNG durch die angewendete Schichtdicke muss gewährleistet sein, dass die Oberflächentemperatur der Innenwandflächen nicht unter 12,6°C sinkt um einen mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze zu vermeiden, sofern die Raumkonditionen von min. 20°C und max. rel. Luftfeuchte von 55% eingehalten werden. Zu beachten ist, dass durch Innendämmungen das Speichervermögen der sanierten Wand verloren geht, und sich der Taupunkt nach innen verschiebt.
  • Um gefährdete Bauteile (konstruktive bzw. geometrische Wärmebrücken) zu entschärfen können diese Bauteile auch thermisch aktiviert, also beheizt werden.
  • Klima- und Lüftungsanlagen müssen regelmäßig gewartet und einer 2-3-jährigen Hygieneinspektion (siehe auch VD15022) unterzogen werden. Die Zugabe von Bioziden zum Befeuchterwasser sollte aber grundsätzlich nicht erfolgen. Die Keimfreiheit muss durch andere geeignete Maßnahmen gewährleistet werden.

Im nächsten Artikel erfahren Sie worauf Sie achten sollten, wenn es zu einem mikrobiellen Befall in Ihren 4 Wänden gekommen ist.

Artikel als PDF zum Download „Verrmeidung von Schimmelschäden von Ing. Paul M. Böhm“

Autor: Ing. Paul M. Böhm

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