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Leitartikel: Sinn und Unsinn zum Thema Wohnungsschimmel

Über Schimmelpilzbefall in Wohnungen, umgangssprachlich „Wohnungsschimmel“, gibt es im Internet zahlreiche Berichte und Informationen. Dazu führen wir untenstehende Linkliste an. Mit diesem ständig aktualisierten Leitartikel zeigen wir sachverständig Missverständnisse  und Alternativlösungen zum Thema auf. Für alle die sich mit „Lüften Sie mehr“ nicht zufrieden geben…

Leitartikel: Ein neuer Service der Bauherrenhilfe!

Die Informationen zum Thema Schimmelpilze sind unüberschaubar, der Baulaie wird mit wissenschaftlichen Hintergründen wie auch Halbwissen erschlagen. Oder wie läßt es sich erklären dass in Zeiten des Internet, trotz kostenloser Infos immer noch kaum jemand weiß wie gefährlich Schimmelpilze nun wirklich sind, wie man sie vermeidet, oder wie man diese entfernt wenn sie mal da sind?  Und was tun wenn die Bausubstanz aus welchen Gründen auch immer nicht saniert werden kann, demnach auch mit Lüften und Heizen das Auslangen nicht gefunden werden kann? Der „Leitartikel Schimmelpilze“ wird ständig aktualisiert, neue Produkte und Techniken werden ausschließlich nach sachverständigen Kriterien eingestellt oder, wenn diese sich nicht bewährt haben, wieder herausgenommen. Hier wird demnach quasi tagesaktuell ein kurz gehaltener Leitfaden beschrieben. Der Vollständigkeit halber führen wir unten auch alle relevanten Allgemeininfos in Linkform an. Auch dabei der bspw. 74-seitige Leitfaden eines Ministeriums, gut zu lesen, aber in vielen Fällen dennoch wenig hilfreich für das eigene Schimmelproblem. Nachfolgend beschäftigen wir uns nur mit Schimmelbefall aufgrund bauphysikalischer Umstände, bedingt durch Oberflächenkondensation. Nicht mit Befall aufgrund Bau- und Wasserschäden.

Ursachen und Grundlagen in Kürze

Keimfähige Schimmelsporen gibt es in unseren Breiten überall. In Wohnungen mit schlechtem Luftdurchsatz, hohem Feuchtigkeitsgehalt und unzureichender Hygiene steigt die Anzahl an koloniebildende Einheiten pro Kubikmeter Raumluft enorm an. Verbindliche Empfehlungen zur Maximalzahl keimbildender Sporen gibt es nicht, respektive werden Angaben zu KBE aus Arbeitsplatzrichtlinien entnommen.

 

Staub + organische Rückstände + Wasser + Mikroklima = Schimmel

Kurzum: Schimmel ist immer in der Luft, ebenso Staub der im Zusammenhang mit Hautschuppen und sonstigen organischen Resten das perfekte Substrat bildet. Siehe Schimmel auf Silikonfugen oder Fensterdichtungen! Da wächst der Schimmel eigentlich nicht am Material sondern auf dem Substrat. Was fehlt nun noch zum Wachstum? Freies Wasser zur Nährstofflösung und Synthese (Neubildung) von Zellmaterial!  Und das gibt es in unseren Wohnungen besonders bei winterlichen Wärmebrücken zu Außenbauteilen und Badezimmern immer wieder.

 

Ab in den Süden – unser Wohlfühlklima!

Die Optimaltemperatur für die mesophilen Schimmelpilze, zu denen die meisten Schimmelpilze im Innenraum gehören, ist unserem Wohlfühlklima ähnlich, diese liegt bei 25- 35 °C.  Aber wie auch der Mensch sich durchaus bei niedrigen Temperaturen wohlfühlt so ist das auch mit dem Schimmelpilz Cladosporium, der kann noch unter 0°C wachsen, während Aspergillus fumigatus sein Maximum bei 55°C besitzt. In beiden Fällen Extremtemperaturen, in beiden Fällen besonders unangenehme Arten.

Jetzt kommt die Bautechnik ins Spiel 

Bis dato unberücksichtigt blieb der Speiseteller, der Untergrund auf dem sich alle Eigenschaften zusammenfinden. Warum sind gut gedämmte Neubauten der letzten 15Jahre mehr von Schimmelpilzen betroffen als schlecht gedämmte Betonbauten der 60-70er-Jahre? Eingeschlossen 100-jährige Altbauten? Gleich vorweg, die Bautechnik kann nichts dafür, wie sind wie so oft selber Schuld, 3 Gründe sind hauptsächlich anzugeben:
  • Früher war die Gebäudehülle, vor allem Fenster und Türe undicht. Ohne aktiv etwas tun zu müssen wurde winterlich ein bis zu 5-maliger Luftwechsel pro Stunde erzielt. Die feucht-warme Raumluft wurde mit kalt-trockener Außenluft heruntergetrocknet. Neubauten weisen Luftwechselzahlen von weit unter 1,0/h1 auf. Baurechtlich abgedeckt muss nun der Bewohner selbstverantwortlich lüften. Leichter gesagt als getan…
  • Früher wurden meist sorptive Oberflächen verarbeitet, Innenputze auf mineralischer Basis, idealerweise Kalkputze mit für Schimmelbefall wachstumsfeindlich hohem pH-Wert. Der optimale pH- Wert für Schimmelpilzwachstum liegt im leicht saurem Milieu bei 4,5 bis 6,5. Einige Schimmelpilze wachsen noch unter pH 2 oder bis pH 8,0. Kalkputz beispielsweise weist einen pH-Wert von bis zu über 12 auf.  Der Schimmel mag hier also nicht mehr wachsen. Und noch ein wichtiger Effekt: Der Putz wirkt sorptiv, nimmt zeitweilig anfallende Feuchtespitzen auf, somit steht das Wasser dem Schimmel nicht mehr zur Verfügung. Im Gegensatz dazu sind heutige Oberflächen mit Kunstharzfarben nicht mehr wasseraufnahmefähig. Das heißt es bildet sich schon bei Erreichen von 80% der Taupunktemperatur ein feuchtes Oberflächenklima, der Pilz beginnt 3-8 Stunden danach zu keimen.
  • Zu guter Letzt und Analog zum Punkt vor waren frühere Wohnungen nicht zu Letzt aufgrund der kalten, ungedämmten Oberflächen mit schweren Tapeten, Teppichen und Vorhängen beladen. Das meiste Wasser in Wohnungen wird nicht in der Raumluft sondern in den Oberflächen gebunden. Somit konnten wiederum Feuchtespitzen in textilen und sonstigen sorptiven Oberflächen und Gegenständen gebunden werden. Diese Reserven fehlen heute, eine kurze Feuchtespitze durch beispielsweise Krankheit / Urlaub (weniger Lüftungsvorgänge) und schon kann der Schimmel wachsen und  gedeihen. Während beim guten Altbau die idealen Wachstumsbedingungen trotz schlechter Dämmung nicht erreicht werden.

Des einen Leid, des anderen Freud…

Leider führen diese Umstände Bauberater und „Nahezu-Populisten“ wie beispielsweise Konrad Fischer auf den Plan. DIE DÄMMUNG SEI SCHULD, wird als Feindbild Nummer 1 ausgemacht. Tatsächlich haben sich Oberflächentemperaturen in neuzeitlich gut gedämmten und dichten Häusern logischerweise erhöht. Ausgenommen bei den Fällen wo der Bewohner, eingebettet in eine beheizte Wohnhausanlage, kaum mehr heizt weil es ohnehin warm genug ist.   Würde Fischer kein Feindbild mehr haben so gingen ihm vermutlich die Anhänger aus. Bekannterweise benötigt man eine gewagte These um Aufmerksamkeit zu erregen.  Dabei stört vor allem der Umstand dass die neuzeitliche Bautechnik in Verruf gerät, die Dämmung und dichte Bauweise ist eigentlich nicht direkt schadenskausal. Steht es doch zumindest dem Einfamilienhausbesitzer frei eine Wohnraumlüftung einzubauen, auch die Innenoberflächen zu verputzen, Dispersionsfarben wegzulassen. Alle anderen sind gut zu beraten, Lüften und Heizen haben oberste Priorität.

Speerspitze gegen Schimmelbefall: Der Passivhausstandard

Schon aufgrund der warmen Oberflächentemperaturen und der zwingend nötigen Wohnraumlüftung bildet der Passivhausstandard quasi die Speerspitze gegen Probleme mit Schimmelpilzbefall durch Kondensationsfeuchte. Spätestens 2020 soll laut EU-Gebäuderichtlinie ein dementsprechender Baustandard  – „nearly zero energy“ – umgesetzt werden.

Schimmelpilz – Mit wem haben wir es eigentlich zu tun?

Grundsätzlich ist die Sanierung ab einer Größe von rund 1m2 mit zeitgleich stark sporulierendem Schimmel (3D-Erscheinungsbild mit freiem Auge) nichts für den Laien, respektive immer mit Schutzmaßnahmen vorzunehmen. Wer schon einmal erlebt hat wie sich ein Pilzrasen bei Bekämpfung verhält dem wird klar dass er es hier nicht mit toter Materie zu tun hat. Schlagartig verändert sich das Erscheinungsbild, der Pilz schützt sich oder er versucht sich noch schnell durch Sporenauswurf zu vermehren. Wehe dem der dann ohne Atemschutz in einer Sporenwolke steht. Anschaulich zeigt ein wissenschaftlicher Beitrag wie sich Schimmelsporen mit dem Tempo einer Gewehrkugel 2,5m weit von der Befallsstelle katapultieren.  Zu Recht respekteinflößend auch die jüngste Meldung dass die Entschlüsselung des genetischen Codes der 3 Aspergillus-Arten gezeigt hat dass diese eine große Anzahl an Genen besitzen. 11.000 bei Aspergilus fumigatus, zum Vergleich nur 6.000 bei Hefe und 25.000 – 35.000 Gene beim Menschen. Aber das ist nur der Anfang, jetzt beginnt die Suche nach den Funktionen einzelner Gene.  Es ist die gleiche Empfehlung wie bei Mobilfunkstrahlen zu geben, also unnötige Belastungen vermeiden, am besten aus dem Festnetz telefonieren (…). Eine Utopie welche zum Thema Schimmel leicht umsetzbar ist.

Mythos 1 – „Niemals Kipplüften“

Aus den Zeiten schlecht gedämmter Gebäude hat sich die weit verbreitete Halbwahrheit zum Kipplüften gebildet. Kühlt dabei doch der umgebende Bauteil stark ab, Lüftungswärmeverluste schnellen in die Höhe, die Wände werden kalt und geraten damit in den Bereich der Taupunktemperaturen. Doch wer nicht glücklicher Nutznießer einer kontrollierten Wohnraumlüftung ist muss sich selbst um eine hygienische Grundlüftung kümmern. In vielen Fällen hat dann der Tipp der „centimeterweisen Kipplüftung“ den Weg aus dem Dilemma gezeigt. Analog zur guten alten Fensterfalzlüftung hat so auch der vollberufstätige Bewohner mit Anordnung NICHT GEGENÜBERLIEGENDER Fenster ein Mittel zur kleinen Dauerlüftung gefunden. Wohlgemerkt gilt es damit zu experimentieren. Ob 1 oder 2 Fenster mit bspw. 1 oder 3cm Kipplüftungsstellung ausreichen hängt auch von der Raumnutzung ab. Wird Wäsche im Raum getrocknet, intensiv gekocht, gewaschen, sind viele Pflanzen aufgestellt usw. Je nach Nutzung ist mehr oder weniger Feuchte abzuführen. Die Kipplüftung ohne Wenn und Aber zu verteufeln ist jedenfalls falsch. Wie man sein Fenster centimeterweise kippt? Ganz einfach, entweder hat ihr Fenster schon Kipplüftungsstufen eingestellt, Fenstergriff circa 60-80° nach oben stellen, oder sie besorgen sich seitlich einen entsprechend stufenweise verstellbaren Beschlag! Sogar elektrische Regelungen mit Feuchtesteuerung gibt es für die Kipplüftung! Da muss man also noch gar keine Wohnraumlüftung nachträglich in die Wand bohren!

 

Mythos 2 – „Mehrmals täglich 5-10 Minuten Stoßlüften“

Dieser Punkt schließt nahtlos an den Mythos Kipplüftung an. Soll ich den heute fast immer ganztägig werktätigen Bewohnern erklären sie müssen  alle  3-4 Stunden lüften? Das wäre technisch sinnvoll, aber wenig realitätsbezogen und zudem mit einem Fehler behaftet. Die fast ausnahmslos propagierte Stoßlüftung ist bei schwierigen Wohnungen eher nicht zur Trocknung der Raumluft geeignet! Wie oben beschrieben ist das meiste Wasser nicht in der Raumluft sondern in den Oberflächen gebunden. Die Stoßlüftung trocknet demnach zwar die Raumluft sehr rasch, aber nach dem Schließen der Fenster steigt der Feuchtegehalt auch sehr schnell wieder! Hier kommt wieder die Permanent- bzw. „kleine Kipplüftung“ ins Spiel. Nur ein andauernder Lüftungsvorgang bringt auch die Ausgleichsfeuchte der Baustoffe und Einrichtungsgegenstände auf ein gutes Niveau. Alles in allem ein Aufruf an unsere Bauträger und Bauherren endlich Wohnraumlüftungen einzubauen, auch wenn derzeit gesetzlich nicht gefordert. Natürlich fachrichtig, sonst wächst dann der Schimmel in den Luftleitungen und Wärmetauschern….

 

Mythos 3 – „Schimmel mit Essig entfernen“

Bei kleinstem Schimmelbefall und vor allem auf glatten Oberflächen wie Fensterdichtungen und Wannenfugen sind Hausmittelchen wie Essig und hochprozentiger Alkohol durchaus sinnvoll. Bei rauen Oberflächen zu bauphysikalischen Problemstellen jedoch NICHT anzuraten. Es bleiben nach dem Verdunsten organische Rückstände und bei zeitgleicher Nichtbehebung der eigentlichen Ursache wächst der Schimmel dann noch schneller und üppiger.

Mythos 4 – „Schimmelbefall darf vor Begutachtung nicht entfernt werden“

Im Zweifelsfall ist bei Schimmelbefall besser von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen. Es kann also nicht sein dass man tagelang mit Schimmel leben muss nur weil der Gutachter nicht gleich nach Schadensmeldung Zeit hat! Fotografieren sie im Detail und aus der Ansicht und entfernen sie mit geeigneten Schutzmaßnahmen. Bei Asthmatikern und Allergikern, sowie schwerem Befall jedenfalls die Fachfirma kommen lassen.

Mythos 5 – „Schimmel sitzt tief im Baustoff“

In der Regel ist gerade bei Neubauten keine Möglichkeit für tiefsitzenden Befall gegeben. Anders bei geschädigten Putzen und Tapeten mit großem Porenvolumen. Erfahrungsgemäß ist bei 1 von 100 Schimmelfällen die Putzfräse zum Farb- UND Putzabtrag nötig. Bei Tapeten kommt es schon öfter vor dass der Schimmel vorab unentdeckt zwischen Wand und Tapete wächst. Da muss die Tapete  mit Kleber wieder im Zweifelsfall abgetragen werden. Achtung bei Gipsputzen, diese nehmen Feuchte schneller auf haben keinen gegen Befall günstigen pH-Wert und werden tiefer durchwachsen. In der Regel aber auch nur die ersten paar Millimeter.  In der Regel endet auch ein starker Befall im Bereich des Fussbodenaufbaus, die Befürchtung zu einer Schimmelausbreitung im Fussbodenbereich ist in den meisten Fällen unbegründet. Baustoffen wie auch Holz kann Schimmelbefall meist nichts anhaben, ist die Ursache behoben und der Baustoff trocken löst sich mit der Zeit auch der Schimmel auf, bzw. wird dieser von bspw. Milben gefressen.

Mythos 6 – „Schimmelpilze in Wohnungen sind lebensgefährlich“

Grundsätzlich hat ein gesundes Immunsystem kein Problem mit Schimmelpilzen, andernfalls der Weg zur Biotonne ein regelrechtes Bombardement der Immunabwehr auslösen müsste. Schimmelsporen wirken als „Inhalationsallergene“, müssen nicht toxisch wirken um krank zu machen. Überhaupt produzieren die allerwenigsten Pilzarten toxisch wirkende Stoffwechselprodukte, man kann also vermuten dass 99% der in Wohnungen festzustellende Schadensfälle NICHT krank machen. Auch ist sich die Wissenschaft nicht wirklich über Wirkung und Krankheitsbilder einig. Aus Gründen der Vorsicht, und somit aus Haftungsgründen ist aber immer von einem gesundheitsbedenklichen Zustand auszugehen. Darin liegt die Begründung für die vom Sachverständigen immer angegebene Gesundheitsgefährdung. Das hat aber nichts mit Panikmache zu tun, es ist in den meisten Fällen von einer reine Vorsichtsmaßnahme auszugehen. Anders bei großflächiger Schimmelausbreitung mit sporulierendem Schimmelrasen und unangenehmem Geruch.  Dann besser raus aus der Wohnung, sofort professionelle Hilfe suchen!

 

Mythos 7 – „Laboranalyse“ zur Pilzbestimmung ist Pflicht!

Produkte zur Selbstbestimmung von Schimmelpilzen verkaufen sich tausendfach. Petrischalen zur quasi Luftkeimmessung oder Abklatschproben für Oberflächen erscheinen dem Geschädigten oft als Rettungsanker und Weg aus der Baukrise. Doch wozu? Ausgenommen zu medizinischen Not- und Streitfällen ist eine Bestimmung unnötig. Oberste Regel ist die sofortige Entfernung, unabhängig von der Pilzart. Eine weitere Ausnahme kann die Suche nach einem nur vermuteten Schimmelbefall sein, dazu ist es sinnvoll einen Befall über Luftkeimmessungen und allenfalls auch Blutproben nachzuweisen. Dazu hilft aber keine „do-it-yourself-Probe“ aus dem Drogeriemarkt, der Post oder dem Baumarkt. Spätestens da sollte man zum Profi gehen.

 

Die Neubautechnik ist unschuldig, die Politik weiter gefordert…

In jeder größeren Wohnhausanlage gibt es jährlich neue Einzelfälle mit Schimmelproblemen, der geförderte Wohnhausbau bedingt den Zwang zu niedrigen Baukosten. Baurechtlich wird sinnvollerweise eine dichte und gut gedämmte Gebäudehülle gefordert. Eine Wohnraumlüftung oder ökologische Baustoffe jedoch nicht. Da liegt dann das gerne genutzte Einsparungspotential, bei angenommenen 100 Wohnungen darf man nicht annehmen dass ohne Zwang mehr gebaut als vorgeschrieben wird. Also bleibt konsequenterweise die Verantwortung für das Raumklima beim Nutzer. Wer dann nicht heizt weil die Raumluft durch die warmen Nachbarwohnungen gut temperiert wird riskiert kalte Außenwände trotz guter Dämmung. Es sollte demnach bei kalten Außentemperaturen auch tagsüber auf kleiner Stufe geheizt werden. Zur Kontrolle der relativen Luftfeuchte ist ein Hygrometer im ungünstigsten Raum aufzustellen, in der Regel das Schlafzimmer mit Außenwänden. Anschaulich immer wieder bei großen Wohnhausanlagen: Während eine Wohnung auf Stiege 1 im 3.Stock schimmelfrei ist,kommt es zur baugleichen, klimatisch gleich orientierten Wohnung auf Stiege 3 zu starken Befall. Warum? Wohnung Stiege 1 wird von einem Pensionistenpaar bewohnt, gekocht wird meist auswärts, 2 Personen auf 80m2 bringen relativ wenig Feuchte ein, vor allem wenn man das Leben auswärts genießt. Auf Stiege 3 wohnt eine Familie mit 2 Kindern, gekocht und gelebt wird überwiegend zu Hause. Mit Heizen und Lüften wird aus Budgetgründen eher gespart. Damit kühlen die Oberflächentemperaturen ab und die relative Luftfeuchtigkeit steigt. Es beginnt zu schimmeln…

 

Tipps zur Vermeidung:

  • Einraumventilatoren reichen oft nicht zu Waschraumentfeuchtung, Türen nach dem Waschen öffnen und über ein Nebenzimmer ablüften, ACHTUNG auch hier Fenster öffnen, Raum mit erhöhter Sorgfalt beheizen
  • Jedenfalls Hygrometer zur Kontrolle der relativen Luftfeuchtigkeit aufstellen, Aufstellort im Problemraum auf Kopfhöhe
  • Normklima: Maximal 55% relative Luftfeuchtigkeit bei 22°C Raum- und 0°C Außentemperatur,
    je 1%-Punkt weniger pro 1-Grad-Celsius unter Null. Bspw. -10°C = MAXIMUM 45% rel.LF.
  • Wäschetrocknung besser über Kondensationstrockner
  •  Bei Wäschetrocknung über Wäscheständer diesen in stark frequentierten Bereichen -Wohnzimmer- aufstellen, erhöht Lüften
  • Bei Aquarien und starker Pflanzennutzung erhöhte Sorgfalt durch Beheizung und Lüftung
  • Keine großflächigen Gegenstände und Möbel an kalten Außenwände – Taupunkt wird an der Rückwand unterschritten
  • Großflächige Gegenstände und Möbel nur mit durchgehender Hinterlüftung aufstellen, allenfalls Rückseite „heizen“
  • Reinigung und Hygienemaßnahmen auch an exponierten Problemstellen und Außenbauteilen, Staub entfernen, zeitweilige Desinfektion
  • Reinigungsmaßnahmen regelmäßig auch unter Betten und hinter Kästen
  • Ausladende Innenfensterbänke vermeiden, damit Heizenergie von Radiatoren und Flächenheizung den unteren Fensterbereich erwärmen kann
  • Innenfensterbänke nicht verstellen, Lüftungsvorgänge nicht erschweren
  • Schwere Vorhänge und Sonnenschutz soll Heizwärme nicht von den kalten Außenbauteilen abschirmen
  • Bei Dachfenstern und kaltem, wolkenlosen Nachthimmel innenliegenden Sichtschutz nicht nutzen, Heizwärme wird abgeschirmt
  • Bei Wandfenstern und Türen sowie Nutzung der Innenjalousien diese so stellen dass die Heizwärme zur Glasscheibe gelangen kann
  • Topfpflanzen 1x pro Jahr umtopfen, mit frischer Erde versehen, feuchte Erde ist oft voll mit Schimmel
  • Tipps zur Fensterlüftung sind nicht sinnvoll, Minutenangaben sinnlos, mittels Hygrometer selbst experimentell ermitteln
  • Angaben u.Zahlen auf Heiz- und Thermostatregelungen sind meist sehr ungenau, ob und wann ein Heizkörper heizt soll kontrolliert werden
  • Schlafzimmer auch bei Nichtnutzung und bei AT unter 0°C ganztägig auf kleiner Stufe heizen, vor dem Schlafen durch Lüften kühlen
  • Wand- und Deckenoberflächen optimalerweise mit Lehm-, Ton-, oder Kalkputzen verputzen
  • Wand- und Deckenoberflächen optimalerweise mit Mineral- oder Kalkfarben streichen
  • Bödenbeläge und Einrichtungsgegenstände optimalerweise aus Vollholz ohne Lack, der verringert die Sorptionsfähigkeit
  • Nach dem Schlafen Decken, Pölster und Matratzen zu offenem Fenster entfeuchten, lüften
  • Geänderte Wohnbedingungen (Krankheit, Urlaub, Besuch…) bedingen geänderte Nutzungsgewohnheiten
  • Sockel- und Parkettleisten zu Außenwänden vorzugsweise aus Vollholz statt Holzwerkstoffen verwenden (Leim…)
  • Achtung bei feuchten Altbau- bzw. Erdgeschoßwänden, erschwerte Bedingungen, erhöhte Aufmerksamkeit nötig!
  • De facto alle Tipps sind bei fachrichtig passiv gebauten Häusern nicht relevant

 

Folgende Produktempfehlungen ersetzen in der Regel kein fachrichtig errichtetes Gebäude, sie sollen bei bauphysikalisch schwierigen Räumen unterstützen und allenfalls die oft mühseligen Anforderungen an „richtiges Lüften und Heizen“ legalisieren. Es wird aber darauf hingewiesen dass anstatt einer beispielsweise elektrische Begleitheizung der Eigenverantwortung unter Anwendung obiger Tipps der Vorzug zu geben ist. JEDE bauschadens- und baumängelfreie Wohnung (im baurechtliche Sinne) kann nach einer Zeit der Eingewöhnung und Eigenkontrolle kondenswasser- und damit schimmelfrei bewohnt werden. Der Kauf und die Verwendung ist jedenfalls erst nach Beratung und Schadensanalyse durch einen Experten vorzunehmen. Eine Haftung durch den Autor oder den veröffentlichenden Verein selbst muss jedenfalls ausgeschlossen sein. Weiters wird darauf hingewiesen dass bei den meisten Bauarbeiten und nachträglichen Veränderungen entweder die Miteigentümergemeinschaft oder allenfalls die Baubehörde zu befragen beziehungsweise eine Genehmigung eingeholt werden muss. Fragen Sie ihre Hausverwaltung oder einen Planer und Architekten.

 

Alternativprodukte zur Schimmelvermeidung:

Alternativprodukte zur Schimmelsanierung: 

Was wir nicht empfehlen:

  • Beschichtungen und Malerprodukte auf Nano-Technologiebasis, Auswirkungen noch nicht hinreichend erforscht
  • Raumentfeuchtungsgeräte, energietechnische Verschwendung, nur bei Wasserschäden anzuwenden, keine Dauerlösung
  • Wir empfehlen auch keine „absorbierenden“ Geräte mit Salzen und dergleichen, da der Einfluss auf die Feuchte sehr gering ist
  • Farben mit fungiziden Zusätzen, diese haben keine dauerhafte Wirkung, belasten die Umwelt
  • Produkte zur Eigen-Schimmelanalyse, Petrischalen, usw., nicht alle Arten sind auf 1 Nährboden erfassbar

Redaktionelle Linkliste zum Thema Schimmelpilze:

Fachgeschäfte mit Fachprodukten und Fachberatung zum Thema Schimmelentfernung: 

Ein persönlicher Beitrag von Günther Nussbaum-Sekora, Vereinsobmann, Bau-Sachverständiger, zertifiziert nach EN ISO/IEC 17024, Luftdichtheitsprüfer, Gebäudethermograf, Sonderfachmann für Gebäudeabdichtungen, Spengler und Dachdeckerarbeiten

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15 Gedanken zu „Leitartikel: Sinn und Unsinn zum Thema Wohnungsschimmel

  1. Redaktion says:  

    Sg. Frau Carina, Keimfrei ist auch in NÖ tätig. Ersuche um direkte Kontaktaufnahme mit Fa. Keimfrei! Gerne können Sie auf den Keimfrei-Banner klicken oder Sie verwenden folgende Webadresse: http://www.keimfrei.at/

  2. Carina.S says:  

    Wohne in Niederösterreich, bietet Keimfrei auch im Raum NÖ Ihre Dienste zur gefahrlosen Schimmelentfernung an? Wir haben 3 Kinder und so ist es mir wichtig das die verwendeten Materialien zur Schimmelentfernung „nicht gesundheitsschädlich“ sind.

  3. Manuela says:  

    Kann man diese Macobeschläge zur Kipplüftung direkt bei dieser Firma kaufen oder nur bei einem Vertriebspartner?

  4. Heinz B. says:  

    Was muss man zur nachträglichen Montage einer Wohnraumlüftung beachten?

  5. Woba Michael says:  

    Kann man eine Glasrandheizung zu jedem Fenster montieren? Auch bei größeren Terrassentüren?

  6. Hannes Mayerhofer says:  

    Kampf dem Schimmel!
    Habe beste Erfahrungen mit CalziumSilikat Klimaplatten gemacht. Einfache Verarbeitung und nachhaltige Wirksamkeit auch bei erheblich verschimmelten Wänden. Habe den Keller (feuchte Wände ca 80 m²) im eigenen Haus selbst saniert. Produkte können sie nachsehen unter http://www.power-protect.co.at.
    mfg

  7. Günther Nussbaum-Sekora says:  

    Lassen Sie sich nicht verunsichern, beauftragen Sie ihre Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Das Argument des unabhängigen Energieberaters ist Unsinn, die unkontrollierte Fensterlüftung sorgt entweder für eine Energieverschwendung oder für zu hohe Luftfeuchten mit Kondensat- und Schimmelbildung. Die Wohnraumlüftung STELLT KEIN HYGIENEPROBLEM dar, sie löst eines. Und mikrobiellen Befall gibt es nur bei schlechter Verlegung vor allem der Luftleitungen oder einer aktiven Luftbefeuchtung, welche beim EF-Haus nicht nötig ist. Suchen Sie Beratung im Bereich der Passivhausanbieter, da wird man Sie richtig beraten. PS.: Luftfilter können Sie tauschen, ihre Lungenflügel nicht. MFG Günther Nussbaum-Sekora

  8. Christina Schillmöller says:  

    Wir planen ein Niedrigenergiehaus zu bauen, bzw. reichen jetzt den Antrag ein. Wir sind beide berufstätig und daher stellt sich ein empfohlenes ’ständiges Lüften‘ als schwierig dar.
    Unsere Gedanken drehten sich in Sachen Lüftung 1. die hohen Kosten, 2. die Hygiene einer solchen Anlage und 3. die Kombinationsmöglichkeit mit einem Kamin, den wir einbauen. Außerdem: Was passiert bei -15°C und was bei +35°C? Heizstab rein bzw. Lüftung ausstellen?
    Nach vielerlei Meinungen einholen sind wir völligst hin- und hergerissen zwischen Empfehlungen von

    – zwei Heizungsbauern, die eine Lüftung befürworten und darauf hinweisen wir müsste unterschreiben dass wir keine Haftungsansprüche geltend machen können, sollte etwas schimmeln. Man hat aber auch das Gefühl, dass sie an dem Produkt einfach nur gutes Geld verdienen können – wie auf einschlägigen Fachseiten auch propagiert wird… bekomme ich für dieses Argument Unterstützung?

    – einem Energieberater der Verbraucherzentrale der sagt: Beim Niedrigenergiehaus unbedingt einbauen!

    – und einem unabhängigen Energieberater: Nur im Mietwohnungsbau sinnvoll (da auf Lüftungsverhalten von Mietern kein Einfluss möglich ist) – stellen Sie Hygrometer auf, lüften Sie wie gehabt und sparen sich das Geld (zwischen 5.500 und 7.000€ immerhin!)…

    – Besitzern einer solchen Anlage, die das Raumklima loben

    Vielleicht geht es anderen Bauherren in diesem Dschungel an Empfehlungen genau so, und eine Antwort könnte weiter helfen…Vielen Dank!

  9. Jasmin says:  

    Ich habe letztens erfahren, dass durch die „Bestrahlung von Blaulicht“ die Schimmelbildung auf Lebensmitteln präventiert bzw. eingedämmt werden kann. Vielleicht kann man dieses Prinzip auch auf die Wohnung anwenden. Ein futuristischer und kosten-aufwendiger Gedanke, aber vielleicht macht es irgendwann einmal die Technik möglich und man kann wieder ohne Ängste frei durchatmen. 😉

  10. Günther Nussbaum-Sekora says:  

    S.g.Herr Herz, a)können sie eine Lüftungsanlage jederzeit abdrehen und auf ihre individuellen bedürfnisse einstellen. b) holen sie sich frische und nicht abgestandene luft in ihre räumlichkeiten. luft welche sie sonst über die energieverschleudernde unkontrollierte fensterlüftung holen müßten. im bspw. passivhaus sorgt die wohnraumlüftung nicht nur für gute luft sondern auch für die allenfalls fehlende heizenergie oder deren verteilung. also kein mehrbedarf an energie, sondern bei richtiger anwendung und montage eine einsparung! also keine angst, einfach informieren…


  11. Sehr geehrter Herr Rudolf P., sehr geehrte Frau Kreuzer,
    ich bin Erfinder der oben erstgenannten Lösung zum automatischen Schließen gekippter Fenster.
    Das Produkt heißt Winflip und ich habe selbst damit ein leichtes Schimmelproblem in den Griff bekommen.
    Wenn das Kippen mit einem Zug ganz leicht geht, macht man es auch nebenbei, ohne Räume auszukühlen und ohne Einbrecher über Stunden hinweg anzulocken.
    Speziell zur Frage von Frau Kreuzer – wir bieten auch ein selbstaktivierendes, patentiertes Alarmsystem, das auch schon im gekippten Zustand scharf ist. Batterielebenszeit über 10 Jahre. Dieser Falzalarm ist unten im Fensterfalz einfach einzubauen und damit nicht sichtbar.
    Ich biete Ihnen beiden an, einen Test mit 100% Geld zurück-Garantie zu machen, denn ich denke, das wir genau diese Probleme ganz einfach lösen können. Sie finden Infos unter http://www.winflip.at
    Meine Tel. 07683 20099
    LG Helmut Katherl

  12. Feichtinger Luise says:  

    Wird die Glasrandheizung auch von Fachleuten montiert? Danke für Ihre Auskunft!

  13. Karin Kreuzer says:  

    Seit der Gesamtsanierung im letzten Jahr reinige ich die Fensterkannten (neue Fenster) täglich vom Wasser, ich bekomme die Wasserbildung nicht in den Griff. Ich lüfte mehrmals am Tag und heize auch ständig, bei der erwähnten Kippmöglichkeit fürchte ich Einbrecher einzuladen. Gibt es dazu auch Varianten mit Alarm?

  14. Rudolf P. says:  

    An WEM kann ich mich zur Schimmelentfernung wenden? Wohne nähe Baden und bekomme das Problem nicht in den Griff. Baumängel kann man ausschließen, bitte um Unterstützung.

  15. Gerald Herz says:  

    Ihr Plädoyer für Zwangsbelüftungen macht mir Angst!

    Es kann doch nicht sein, dass wir in ein paar Jahren gezwungen sein werden in Räumen zu leben, in denen ständig warme, teilweise abgestandene Luft herumgeblasen wird. Schon die Konvektionswärme von den Zentralheizungen ist eigentlich ungesund wegen der ständigen Luft- und Staubverwirrbelungen.

    Und wo soll eigentlich der ganze Strom herkommen – von AKWs?? Ist schon einmal untersucht worden, welcher Mehrbedarf an Energie deutschlandweit entstünde durch all die Belüftungsanlagen?

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