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Holzbau und Solarpfusch

Dreharbeiten für die 2.Staffel „Pfusch am Bau“ führen mich zu 2 Grazer Anlagen.  Über eine haben wir bei Staffel1 berichtet, der Bauträger ist mittlerweile in Konkurs, fährt mit neuem 100.000-Euro-Auto. Beim 2. Dreh greife ich ins Fettnäpfchen mit meiner Frage ob hier der Bauträger auch (wirtschaftlich) „weggestorben“ ist, dieser hat sich erhängt…

Graz 1 – der Pfusch geht weiter: Solaranlagen

Zur ersten Wohnhausanlage existiert der Bauträger mittlerweile nicht mehr, man versucht den Treuhänder und den baufortschrittsanzeigenden SV zur Verantwortung zu bringen. Aber es wird wieder gepfuscht. Auf allen Häusern wurde nachträglich vom Installateur eine Solaranlage verlegt. Dass auch und gerade hier oftmals gepfuscht wird zeigt mein letzter Beitrag in der Fachzeitung Renovation.  Ähnliches in Graz, statt innen glattwandige Kupferrohre werden Niro-Wellschläuche verlegt. (Kein Baumangel!) Geht ja einfacher, nur der Strömungswiderstand in den Rohren steigt enorm. Egal, das wird mit einer größeren Pumpe kompensiert, zahlt ja dann der Kunde. Energiesparende Pumpen sind dann meist nicht mehr verwendbar. Ähnlich energieverlustig sind die dünnen Rohrdämmungen bei den Dachbodenleitungen, hier sind knapp 10m Leitung im ungedämmten Dachboden verlegt und mit einer knapp 1cm Schaumstoffdämmung versehen worden.  Das Titelbild zeigt die vermutlich nicht mit UV-Schutz versehene Rohrdämmung mit dem Wellschlauch der durch den Ziegel geführt wurde. Die „Dachabdichtung“ besteht aus einem Blechstreifen der mit dem Wellschlauch verbunden wurde, wobei der Übergang mit Bleilötzinn „verlötet“ wurde. Nur von Löten kann keine Rede sein. Es ist mit Undichtheiten zu rechnen, a) wegen der falschen Löttechnik, und b) weil das Lötzinn einen Schmelzpunkt -je nach Legierung- von 220°C hat, der Röhrenkollektor kann schon knapp 200°C erreichen. Da hat sich der Spengler einen gar nicht teuren Formteil -bspw. Klöber-  gespart, oder den Spengler der eine Dachdurchdringung massanfertigt. Da bliebe sogar noch die Frage ob die Leitungsdämmung das aushält. Eine mineralische Dämmung – beispielsweise Thermawool –  wäre empfehlenswerter.

Graz 2 – auch hier ein nicht enden wollender Albtraum

Eine Fotografin und ihre Tocher wohnen in dem vor rund 5 Jahren errichteten Haus. Eine Wohnhausanlage mit zahlreichen baugleichen Nachbarhäusern. Der Sendeverantwortliche der Produktionsfirma ON-Media und Martin Gastinger von ATV verlangt Authentizität. Ich bereite mich demnach auf die Drehs nicht vor, zu diesem Schadensfall habe ich nur erfahren dass es sich um Putzschäden handeln soll. Der Bauträger hat sich mitten in der Bauphase das Leben genommen. Die Baufrau gibt an dass sich der ehemalige Bauleiter als Engel herausgestellt hat. Hat er ihr doch trotz Konkurs seines Arbeitsgebers bei diversen Fertigstellungsarbeiten geholfen. Das hört man gerne, Lichtblicke in den Tiefen verpfuschter Bauprojekte sind immer willkommen!

Der gefallene Engel – verpfuschte Holzkonstruktion

Im Zuge der Begehung stellt sich heraus dass der von der Decke fallende Putz nur die Spitze des Eisberges darstellt. Hier gibt es Mängel an allen Bauteilen, ein Musterbeispiel an „Nichteinhaltung“ der Vorgaben zum konstruktiven Holzschutz stellt der Holzbalkon dar. Ziemlich einzigartig ist die Unverschämtheit eine Holzkonstruktion gleich ohne jeglichen Witterungsschutz ins Freie zu stellen. Fliesen direkt auf Dreischichtplatten, Abdichtung? Keine Spur! Blecheinfassungen an den Rändern und zur Hausmauer? Keine Spur!  Die Baufrau hat sich zwar über die Fruchtkörper an der Balkonunterseite jeweils gewundert, ging aber davon aus dass es reicht diese jeweils zu entfernen. (…) Hier besteht Einsturzgefahr, die Konstruktion darf nicht mehr betreten werden. Und ich muss den Dreh abbrechen, da muss ein neuer Termin vereinbart werden, die Begutachtung auf das gesamte Haus ausgedehnt werden. Der vermeintliche Engel stellt sich als gefallen heraus, er hat gutes Geld für extremen Baupfusch genommen. Das Leid der Betroffenen damit tatsächlich verschleppt und vergrößert…

Staffel 2 der Bauschadens-Serie „Pfusch am Bau“ – Serie 1 von 8: Start am 18.April um 21.20.

Günther Nussbaum-Sekora

Infos zum organisatorischen, chemischen und baulichen Holzschutz finden sie im Vorlesungsskript der Universität Siegen

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