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Hausbaukredit in Fremdwährung!

Sanierung von Fremdwährungskrediten!

Die früher allseits beworbene Fremdwährungsfinanzierung hat „Schlagseite“ bekommen. Zahlreiche Kunden haben eine höher aushaftende Kreditsumme als ursprünglich bei Kreditaufnahme. Zudem hat u.U. der Tilgungsträger, also jene Sparform, welche für die Rückzahlung des Kredites am Ende der Laufzeit verantwortlich sein soll, nicht die erwartete Rendite gebracht wie ursprünglich kalkuliert. In den letzten Monaten gab es zahlreiche Aufforderungen von Banken an Kunden zu Gesprächen bzw. Aufforderungen zu Konvertierungen in den EURO. Keineswegs „verbietet“ jedoch die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Fremdwährungskredite in Österreich für Kunden, wie es gerne von einzelnen Beratern dargestellt wird. Die tatsächliche Stellungnahme der Finanzmarktaufsicht dazu ist nachfolgend angeführt. Das diese Finanzierung saniert werden muss ist unbestritten. Wie das gemacht werden kann, hier unterscheiden sich die Aussagen – vor allem abhängig von der doch sehr unterschiedlichen Interessenlage der Auskunftgeber (FMA, Bank, Kreditvermittler, Tilgungsträgervermittler).

Hier ein Versuch die Angelegenheit differenziert zu betrachten – Einige Aussagen kann man treffen:

Der Wechselkurs: Wie der Fremdwährungskurs am Ende der Laufzeit steht darüber kann man wohl nur spekulieren. Je länger die Laufzeit desto eher besteht auch die Möglichkeit dass der Kurs sich wesentlich verschlechtert oder auch wesentlich verbessert. Der Kunde muss sich die Frage stellen, will er dieses Risiko oder diese Chance weiterhin tragen, hält er es auch finanziell aus? (Thema hierbei ist: linear höhere Rate bei höherer aushaftender Kreditsumme). Weitere Sicherheiten aufgrund höherer aushaftender Kreditschuld darf aufgrund von Konsumentenschutzgesetzen die Bank im Nachhinein bei Privatkrediten nicht verlangen. Hier kann der Privatkunde durchaus entspannt in die Gespräche gehen – am besten jedoch nicht alleine sondern immer mit fachlicher Unterstützung. Anders allerdings bei Unternehmen!

Zinssatz: Die Zinsentwicklung kann ebenso nicht zuverlässig vorausgesagt werden, abgesehen von der doch größeren Wahrscheinlichkeit einer Zinssatzsteigerung als Senkung aufgrund der aktuellen Niedrigzinslage, wenn auch von Analysten davon ausgegangen wird dass der Zinssatz des Euro (ausgehend vom Jahr 2013) in den kommenden Jahren stärker ansteigen wird als z.B. der des Schweizer Franken. Demnach wäre ein Verbleib in der Fremdwährung finanziell vorteilhaft.

Der Tilgungsträger: Hierauf ist größte Beachtung zu legen. Erfahrungsgemäß passiert leider das Gegenteil. Je nach Art des Tilgungsträgers (meist Einzel-Fonds, klassische Versicherungen oder Fondsgebundene Versicherungen) kann man durch entsprechende Anpassung an die jeweilige Wirtschaftslage einen Mehr-Ertrag erwirtschaften. Und das ist nicht unwesentlich.

Beispiel: Erwirtschaftet man um 2 % p.a. Mehrertrag als geplant so erhält man nach einer Laufzeit von 25 Jahren um 35% mehr aus dem Tilgungsträger. Damit wäre der Schaden durch die derzeitige Wechselkursentwicklung wohl kompensiert. Man beachte auch die steuerlichen Änderungen in den letzten Monaten, welche unbedingt zu beachten sind um sich seinen Ertrag nicht noch um weitere 25% schmälern zu lassen!

Zinsdifferenzansparung: Schon mal gehört?

Dieses Wort kennt wohl der Großteil der Fremdwährungsfinanzierungs-Besitzer leider nicht. Eindeutig ein Planungsfehler wenn man von folgendem ausgeht: Durchschnittlich zahlte man in der Fremdwährung weniger Zinsen als damals im Schilling oder jetzt im Euro. Andererseits hörte man immer, Fremdwährung ist nur für jene, welche sich die Euro-Finanzierung auch leisten können. Somit soll man von einer monatlichen Ratenhöhe ausgehen, die man auch im Euro zahlen würde. Da die Fremdwährung allerdings immer günstiger war und auch immer noch ist erspart man sich monatlich Geld. Dieses Geld muss bei einer richtig gestalteten Fremdwährungsfinanzierung als „Notgroschen“ auf die Seite gelegt werden. Wenn dies gemacht wurde – dann herzliche Gratulation. Sie haben damit derzeit kein Problem mit Ihrer aktuellen Fremdwährungsfinanzierung. Wenn Sie z.B. 1% oder 1,5% der Finanzierungssumme p.a. als Zinsdifferenzansparung regelmäßig auf die Seite gelegt haben, so ist dies Ihre Sicherheit für Zeiten schwankender Wechselkurse. Selbst wenn sie diese Ansparung „sicher“ am Sparbuch angelegt haben so haben Sie die derzeitige Wechselkursproblematik kompensiert.

Zusammengefasst:

Der Fremdwährungskredit kann – richtig geplant und verwaltet und vorausgesetzt einer entsprechend kalkulierbaren Wirtschaftsentwicklung – durchaus saniert werden. Den Kredit samt zugehörigen Tilgungsträger ohne Begleitmaßnahmen einfach laufen zu lassen ist die schlechteste Alternative. Selbst Ihr Auto hat aus Sicherheitsgründen jährlich einen Pickerltermin mit genauester Überprüfung!  SV Peter-Alexander Voitle, MBA – www.voitle.at 

Stellungnahme der FMA: http://www.fma.gv.at/typo3conf/ext/dam_download/secure.php?u=0&file=5509&t=1368200445&hash=d67aa1698f06caab9c21e6f750d7b616) (am 09.05.2013 gelesen)

  • Ihre Bank hat laufend die Risikoentwicklung Ihres Fremdwährungskredites zu beobachten und zu Analysieren sowie Sie über wesentliche Veränderungen der Risikolage zu informieren.
  • Ihre Bank ist überdies angehalten, bei einer wesentlichen Veränderung der Risikolage das persönliche Gespräch mit Ihnen zu suchen, und Ihnen Vorschläge zur Begrenzung des Risikos zu unterbreiten.
  • Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen dieses persönliche Beratungsgespräch bietet. Analysieren Sie gemeinsam mit dem Bankberater Ihre Risikolage und erarbeiten Sie gemeinsam eine maßgeschneiderte Lösung, um Ihr Risiko zu begrenzen.
  • Was für Sie die beste Lösung ist, muss individuell von Fall zu Fall beurteilt werden. Schließlich hängt diese unter anderem von Ihrem Einstiegskurs in die Fremdwährung, der Restlaufzeit des Kredites, Ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen, Ihrer Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit, den vereinbarten Sicherheiten für den Kredit und gegebenenfalls der Wertentwicklung des Tilgungsträgers ab.
  • Ihre Bank ist auf jeden Fall angehalten, Sie aktiv zu unterstützen, beispielsweise Ihnen jederzeit ein für Sie passendes Angebot zu legen.
  • Jede Änderung der Bedingungen Ihres Kreditvertrages bedarf aber grundsätzlich der Zustimmung beider Seiten – somit auch Ihrer Einwilligung.
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