Sie sind hier: Bauherrenhilfe.org > Bauen > Haben Sie schon einmal einen Raum bewußt in Besitz genommen, ihn begutachtet und anschießend nach Ihren Kriterien bewertet?

Haben Sie schon einmal einen Raum bewußt in Besitz genommen, ihn begutachtet und anschießend nach Ihren Kriterien bewertet?

Gedanken beim Betreten eines Raumes, Anleitung für eine Analyse:

Den ersten Eindruck ganz spontan festhalten. Was kommt mir in den Sinn? (z.B. freundlicher Empfang, dumpfe fahle Atmosphäre, etc.) Wie erschließt sich der Raum? Habe ich beim Betreten des Raumes sofort alles erfasst oder muss ich hinein- und herumgehen um nach und nach alles zu erfahren?

Wie ist der Raum proportioniert? Wirken die Abmessungen harmonisch? Wirkt der Raum groß oder klein auf mich? Hat die Grundrissform eine Richtung (Rechteck) oder ist sie richtungslos (Quadrat)? Wie verhält sich die Raumhöhe zur Grundrissfläche (z.B. drückt die Decke)? Wie verhalten sich die Öffnungen zur Fläche? Gibt es Konstruktionselemente?

Wie ist das Verhältnis von Dichte und Weite angelegt? Wie stehen Freiflächen und Möbel zueinander? Wie sind die Lichtverhältnisse? Eher hell oder eher dunkel – ist Sonneneinstrahlung möglich? Wie wirkt die künstliche Beleuchtung auf mich? Werden meine Sinne angesprochen? Wie riecht es hier – erinnert mich der Geruch an etwas? Ist genügend frische Luft vorhanden? Gibt es Geräusche?

Hallt der Raum oder werden Geräusche eher abgedämpft? Wie fühlen sich die Oberflächen an? Ist es warm oder kalt? Was nehmen meine Augen wahr: Welche Formen nehme ich wahr? Herrschen eher Ordnung oder Chaos vor? Passen die Farben und Materialien zueinander? Welche Farbe dominiert? Hat der Raum Aussicht? Wie weit kann ich blicken?

Erfüllt der Raum die Funktion für die er gemacht ist, bzw. für die ich ihn zu nutzen gedenke? Welche Möglichkeiten bietet der Raum? Animiert mich der Raum dazu aus mir heraus zu gehen oder schüchtert er mich eher ein – oder lässt er mich gar unberührt?

Fazit: Raum kann man als ein Medium verstehen als eine Sprache, die wir mit unseren Sinnen verstehen können. Räume erinnern uns an natürliche und geistige Gesetze, sie trainieren unsere Sinne.

„Man kann den menschlichen Geist problemlos lahm legen, indem man den Sinnen ihre natürlichen Betätigungsfelder raubt.“  J. W. v. Goethe

Architekt Dipl.Ing.Fh Thomas Abendroth,
www.abendroth.at

Share