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Fachinformation und Video zu Estrich und Estrichverlegung!

So dünn als möglich – so dick als nötig!

Der Estrich ist ein Bauteil, dessen nicht korrekte Verlegung auch dem Bauherrn auffällt. Fehler, wie zum Beispiel Risse im Estrich oder abgerissene Randbereiche, lassen sich ganz einfach vermeiden. Eine Regel besagt „so dünn als möglich – so dick als nötig“! Wenn man diese Regel berücksichtigt und sich an ein Fachunternehmen wendet, sollte es keine Probleme geben.

Als Estrich wird eine oder mehrere Schichten aus Estrichmörtel bezeichnet, die eine vorgegebene Höhenlage erreichen, einen Bodenbelag aufnehmen oder unmittelbar genutzt werden sollen.

Der Estrichmörtel besteht aus einem Bindemittel, einer Gesteinskörnung sowie Wasser und allfälligen Zusätzen. Demnach ist auch ein Betonfußboden ein Estrich, vorausgesetzt es handelt sich nicht um ein zum Tragwerk gehörendes Bauteil.

Für den Wohnhausbau sind meist der hier vorgestellte Zementestrich, der Calciumsulfatestrich und der Gussasphaltestrich relevant und normativ geregelt. Der Ausgleichsestrich als gebundene Schüttung wird auch als Installationsebene genutzt.

Der Gefälleestrich stellt bei frei bewitterten Bauteilen das geforderte Mindestgefälle für die Abdichtung her. Neben den normkonformen Estrichen werden Estriche verlegt, die bisher keiner Normung unterliegen oder bei denen einzelne Ausgangsstoffe nicht normkonform sind. Hier sind die Herstellerrichtlinien zu beachten.

Zu dieser Gruppe zählen:

  • Trockenestriche
  • Bitumenemulsionsestriche
  • Zementestriche mit Styropor und normativ nicht geregelten Hartkorneinstreuungen.

Sie sind bei Einhaltung der Herstellerrichtlinien voll gebrauchstauglich.

Beim Zementestrich muss die hohe Dichte und das damit entstehende ungleiche Trockenschwinden berücksichtigt werden. Zusatzmittel sollen durch Plastifizierung das Zugabewasser reduzieren, zu einer schnelleren Erhärtung und Austrocknung führen und damit die Rissbildung und das befürchtete Estrichschüsseln verhindern. Wenn man vom Schwinden spricht, meint man die dreidimensionale Volumenverringerung des Festmörtels durch Austrocknung. Diese Verkürzung kann durch zu rasche Austrocknung, Zugluft und trockenes Raumklima gefördert werden, wodurch letztendlich Spannungen entstehen, die in einer Rissbildung abgebaut werden. Dem wird mit Einhaltung einer Mindestmörteltemperatur von 5 Grad in den ersten drei Tagen entgegengewirkt. Hohe Temperaturen sind in den ersten sieben Tagen zu vermeiden, ebenso Zugluft, bei niedrigen Temperaturen auch längere Zeit. Soll ein Bodenbelag im Verbund auf dem Estrich verlegt werden, sind die losen Feinstteilschichten durch ein mechanisches Anschleifen und Reinigen zu entfernen.

Bei der Verlegung eines Zementestrichs im Außenbereich muss der Zusatzstoff besonders „frost- und tausalzbeständig“ sein. Dies ist bei Bestellung im Kieswerk explizit bekannt zu geben. Durch Zusatz von Fließmitteln und Stabilisatoren wie Luftporenbildnern werden Fließzementestriche hergestellt.

Höhere Kosten, dafür weniger Anforderungen betreffend Rissbildung, sind beim Calciumsulfatestrich zu berücksichtigen, früher bekannt als Anhydritestrich mit seiner Vielzahl von Bindemittelvariationen. Der wesentliche Vorteil liegt in der Möglichkeit, große Flächen ohne Fugen herzustellen. Nach einer anfänglichen Volumenzunahme durch Quellen ist der Vorgang des Schwindens dadurch baupraktisch vernachlässigbar. Die Restfeuchte darf und soll sehr rasch ausgetrieben, respektive abgelüftet werden. Auch im häuslichen Nassbereich ist der Calciumsulfatestrich bedenkenlos einsetzbar. Jedoch muss beim häuslichen Bad genauso wie beim Zementestrich eine Verbundabdichtung zwischen Estrich und Belag aufgebracht werden, ebenso im Spritzwasserbereich in den Wänden. Zudem ist eine Mindestverlegetemperatur von 5 Grad Celsius über drei Tage nach Verlegung einzuhalten. Zwei Tage ist der Estrich vor Zugluft, Wasser und anderen schädlichen Einwirkungen zu schützen. Er darf nicht mit Folie abgedichtet werden, die ungehinderte Austrocknung soll ab dem fünften Tag forciert werden. Eine Begehbarkeit ist schon nach zwei Tagen, eine Belastbarkeit nach fünf Tagen gegeben. Ein mechanisches Abreiben und Reinigen ist wieder nur bei einer verbundmäßigen Belagsverlegung oder Abdichtung nötig.

Der Gussasphaltestrich wird aufgrund seiner Wasserundurchlässigkeit vorzugsweise in Garagen und Lagerräumen eingesetzt. Er besteht zu 7-10 Masseprozent aus Bitumen, die Einbautemperatur liegt bei 220 – 250 Grad. Der Vorteil liegt in der geringen Einbaudicke und der nach dem Erkalten sofort belastbaren Oberfläche. Ein Schleifen der Oberfläche führt zu einem terrazzoähnlichen Aussehen. Anforderungen an eine besondere Ebenheit werden bei Estrichen ohne Belag nur sehr schwer erreicht. Alle erwähnten Estricharten können als Verbundestrich direkt auf dem Betonboden oder mit einer Trennlage sowie auch als schwimmender Estrich auf einer entsprechenden Dämmschicht verlegt werden.

Beim fast nur in Garagen verlegten Verbundestrich werden sehr hohe Anforderungen an den Untergrund gestellt.

Schallschutz

Werden keine Anforderungen an den Schallschutz gestellt, sollte daher eine Verlegung auf Trennschichten bevorzugt werden. Die direkte Estrichverlegung auf eine Feuchtigkeitsabdichtung ist nicht zulässig. Die Abdichtung kann daher nur als erste Lage der zweilagigen Trennlage gezählt werden.

Zur Frage einer Estrichbewehrung

Ein bewehrter Estrich ist nicht Stand der Technik. Wird vom Fliesenleger eine Bewehrung gefordert, so ist dies zeitgerecht bekannt zu geben. Vor der Beauftragung muss der Planer oder Auftraggeber dem Estrichleger sämtliche Anforderungen an den Estrich bekanntgeben.

Die im Film dargestellten technischen Informationen können eine ordentliche Planung und eine Ausführung durch eine Fachfirma  nicht ersetzen. Unsere Empfehlungen folgen nicht unbedingt aktuell gültigen Normen oder Richtlinien. Führen sie keinesfalls selbst Bauleistungen aus! Der Verein BHH.org und der jeweilige Partner fördern die Bauqualität im Sinne einer für alle zugänglichen, sachverständigen Aufklärung und Schulung. Bausa

chverständiger Günther Nussbaum-Sekora

 

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Ein Gedanke zu „Fachinformation und Video zu Estrich und Estrichverlegung!

  1. Richard says:  

    Danke für die Info! Als Bauherr ist die Wahl des Estrichs nicht einfach. Bitte um Info ob Ihr auch Estrich-Unternehmen empfiehlt.

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