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Deutschland will Fracking erlauben – unter „strengen Auflagen“

Eigentlich sollte Fracking in Deutschland verboten bleiben – jetzt werden die Bestimmungen von der schwarz-roten Koalition aufgeweicht.

„Wir legen die strengsten Regelungen im Bereich Fracking vor, die es jemals gab“, betonte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks. Nach wochenlangen Verhandlungen liegt ein Gesetzentwurf vor, der nun zwischen den Ressorts abgestimmt wird. „Oberste Priorität haben dabei der Schutz von Umwelt und Trinkwasser“, sagte Hendricks. Bisher gibt es keine zufriedenstellende gesetzliche Beschränkung für die Fördertechnik, weshalb die große Koalition das nun regeln will. Allerdings werden erste Eckpunkte von ihr und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel etwas aufgeweicht. Zunächst sollte Fracking in Schiefer- und Kohleflözgestein bis 2021 zu kommerziellen Zwecken komplett verboten und nur Forschungsprojekte erlaubt werden. Nun können Konzerne ab 2019 auf die kommerzielle Ausbeutung von Vorkommen hoffen – aber nur in bestimmten Gebieten und nach einem ziemlichen Hürdenlauf.

  • Auch die 3000-Meter-Begrenzung wird aufgeweicht

Für Trinkwasser- und Naturschutzgebiete wird das Verfahren verboten, auch in anderen Gebieten sollen Fracking-Vorhaben in Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern untersagt werden. Die Vorkommen liegen meist höher, bei 1000 bis 2000 Metern.
Aber Unternehmen können Probebohrungen zur Erforschung beantragen. Darüber müssen dann die Landesbehörden entscheiden. Gibt es grünes Licht, gilt hierfür die 3000-Meter-Grenze nicht mehr.

Wollen die Unternehmen in dem betreffenden Gebiet anschließend Gasvorkommen kommerziell fördern, kommt eine sechsköpfige Expertenkommission ins Spiel, darunter ein Vertreter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und des Umweltbundesamtes (UBA). Hat sie mehrheitlich keine Bedenken, kann die Landesbehörde die Förderung genehmigen, sie muss es aber nicht. Es gebe keinen Automatismus, wird betont.
Zudem muss eine Kommission beim Umweltbundesamt bestätigen, dass die für das Fracking verwendete Flüssigkeit keine Gefahr für das Wasser darstellt. Vor Ende 2018 soll kein kommerzielles Fracking stattfinden, bei dem das Gestein mit hohem Druck aufgebrochen wird, damit das Gas entweichen kann.

  • Wasser aus dem Wasserhahn in der Küche fängt an zu brennen

In den USA wächst die Kritik an der umstrittenen Fördermethode – die allerdings gleichzeitig die Energiepreise nach unten drückt und in dem massiv deindustrialisierten Land für eine langsame Reindustrialisierung sorgt.
In der traditionell sehr viel stärker auf Umweltschutz ausgerichteten deutschen Öffentlichkeit reichen die Proteste gegen Fracking von Umweltschützern bis hin zu Bierbrauern und Mineralwasserherstellen.

Umweltschützer belegen mit zahlreichen Untersuchungen die verheerenden Auswirkungen dieser Förderform von Energie auf die Umwelt. Am stärksten umstritten sind die Auswirkungen des Fracking auf das Trinkwasser – denn Gas und Öl werden mit einem hochgiftigen Chemiegemisch aus den Gesteinsschichten gepresst. Das Gift bleibt anschließend in der Erde.

  • Riesige Flächen werden mit massivem Beton versiegelt

Weil Förderer versuchen, das Grundwasser wenigstens minimal zu schützen, kleiden sie die Förderstellen weitflächig mit Beton aus. Das Ergebnis nach dem Ende der Förderung sind riesige Flächen aus massivem Beton, unter denen viele Tonnen Gift in der Erde lagern.

In den USA zeigen hunderte Studien, welche massiven Auswirkungen Fracking auf das Trinkwasser in den Leitungen wie auch auf Flüsse und die gesamte Natur hat. So finden sich im Internet tausende Videos, in denen Menschen ein Feuerzeug an den Wasserhahn in ihrer Küche halten – und das Wasser fängt an zu brennen.

  • USA: Zahl der Erdbeben steigt um das Vierzigfache an

Relativ neu ist eine weitere Auswirkung des Fracking: Nach Studien, die in der weltweit renommierten Wissenschaftszeitschrift „Science“ veröffentlicht wurden, hat die Anzahl der Erdbeben in den USA massiv zugenommen. In vielen Gegenden finden heute bis zu vierzig Mal häufiger Erdbeben statt als noch während der 1990er Jahre. So gibt es inzwischen im Bundesstaat Oklahoma im Mittleren Westen mehr Erdbeben als im traditionell äußerst erdbebengefährdeten Kalifornien.

Textquelle: SOLID – Wirtschaft und Technik am Bau / Industriemagazin Verlag GmbH

Bildquelle: www.vorarlberg.gruene.at

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