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Beton – Die Haftung macht den Unterschied!

Beton: Die DIN EN 206-1/DIN 1045-2 definiert Betone klar auch hinsichtlich der Verantwortlichkeiten!

In der Praxis stellt sich jedoch heraus, dass den an der Bauausführung beteiligten (Transportbetonunternehmer, Bauunternehmer und Bauherr) häufig der Unterschied zwischen dem „Beton nach Eigenschaften“ und dem „Beton nach Zusammensetzung“ nicht klar ist und daher auch die Haftungsfragen unzutreffend eingeschätzt werden.

Die Betonnorm DIN 1045 mit ihren vier Teilen und der DIN EN 206-1 wurde 2001 bauaufsichtlich eingeführt und liegt inzwischen nach mehreren Änderungen in einer aktuellen Version von 2008 vor. So konnten bereits vielfältige Erfahrungen beim Umgang mit dieser Norm, die anerkannten Regeln der Technik sind, gesammelt werden. Die DIN 1045 und die DIN EN 206-1 unterscheiden sich zwischen drei Betonen:

  • Beton nach Eigenschaft
  • Beton nach Zusammensetzung
  • Standardbeton

Beton nach Eigenschaft: Definierte Eigenschaften und zusätzliche Anforderungen werden dem Hersteller gegenüber festgelegt, der für die Bereitstellung eines passenden Betons verantwortlich ist.

Beton nach Zusammensetzung: Zusammensetzung und Ausgangsstoffe, die verwendet werden müssen, werden dem Hersteller vorgegeben, der für die Lieferung eines Betons mit der festgelegten Zusammensetzung verantwortlich ist.

Der Standardbeton ist letztlich auch ein „Beton nach Zusammensetzung“, der aber in der Kategorie der Betone nach Eigenschaften einzuordnen ist. Diese richtet sich nach der am Ort der Verwendung des Betons gültigen und anwendbaren Norm. Da Standardbeton in Deutschland kaum eingesetzt wird, bleibt er bei der weiteren Betrachtung ausgeschlossen.

Bei den beiden Hauptbetonkategorien „Benton nach Eigenschaften“ und „Beton nach Zusammensetzung“ sind die Verantwortlichen hinsichtlich der Einhaltung der Eigenschaften definiert, wobei sich eindeutig in der Praxis der Beton nach Eigenschaften durchgesetzt hat, bei dem die Verantwortlichkeit hinsichtlich der Eigenschaften beim Hersteller liegt. Die Eigenschaften können aber nur dann erreicht werden, wenn bei der Verarbeitung des Betons auf der Baustelle alle erforderlichen Maßnahmen (Z.B. Verdichtung, Nachbehandlung) fachgerecht umgesetzt werden.

Beton nach Eigenschaften – Grundlegende Anforderungen für einen Beton nach Eigenschaften sind nach /1, 2/:

  • Expositionsklasse
  • Feuchtigkeitsklassen
  • Druckfestigkeitsklassen
  • Größtkorn der Gesteinskörnungen
  • Art der Verwendung des Betons oder Klasse des Chloridgehalts
  • Konsistenzklasse oder Zielwert der Konsistenz. Bei Leichtbeton kommt noch die Rohdichteklasse dazu oder es kann auch ein Zielwert der Rohdichte vereinbart werden, der üblicherweise auch beim Schwerbeton benötigt wird.

Diese aufgeführten Anforderungen sind ausreichend, um die Mehrzahl der Betone eindeutig zu definieren, wobei Expositionsklasse, Feuchtigkeitsklasse und Druckfestigkeitsklasse durch den Planer zu definieren sind. Welche Anforderungen an den Beton nach Eigenschaften zu stellen sind, ergibt sich aus den Umweltbedingungen, denen das Bauwerk ausgesetzt sein wird und ist eine Planungsaufgabe.

Die Angaben zum Größtkorn und zur Konsistenz werden häufig vom Bauunternehmen ergänzt, können jedoch auch auf der Basis einer vertraglichen Vereinbarung vorgegeben werden.

Wenn besondere Anforderungen hinsichtlich des Einsatzes erforderlich sind und diese sich nicht direkt oder indirekt aus den Expositionsklassen ergeben, können die aufgeführten grundlegenden durch zusätzliche Anforderungen ergänzt werden. Zusätzliche Anforderungen können zum Beispiel sein:

  • besondere Arten/Klassen von Zement
  • besondere Arten/Klassen von Gesteinskörnungen
  • Eigenschaften für den Widerstand gegen Frosteinwirkung – Verwendung von Luftporenbildner
  • Anforderungen an die Frischbetontemperatur
  • Festigkeitsentwicklung
  • Wärmeentwicklung während der Hydration
  • verzögertes Ansteifen
  • Wassereindringwiderstand
  • Abriebwiderstand
  • Spaltzugfestigkeit
  • technische Anforderungen (Einbauverfahren, Oberflächenbeschaffenheit).

Im Mittelpunkt stehen also hier die Eigenschaften. Der gravierende Unterschied zwischen den beiden „Betonarten“ (nach Eigenschaften / nach Zusammensetzung) besteht darin, dass bei einem Beton nach Eigenschaften letztlich höhere Anforderungen an den Betonhersteller gestellt werden, das heißt der Beton muss im eingebautem Zustand bestimmte technische vorgegebene Kennwerte einhalten, die für die Art und Weise der Verwendung und Nutzung von ausschlaggebender Bedeutung sind. Und zwar auch dann, wenn dem Transportbetonunternehmer die letztendliche Nutzung gar nicht bekannt ist. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Frage, inwieweit ein Beton im eingebautem Zustand die vorgegebenen Eigenschaften aufweist, auch von der Frage des Einbauverfahrens und der Nachbehandlung, etc. abhängig ist. Bei einem Beton nach Zusammensetzung dagegen muss sich der Beton für den Betonhersteller nur aus der vorgegebenen Zusammensetzung der einzelnen Ausgangsstoffe definieren lassen, ohne dass die Eigenschaften für den Hersteller eine Rolle spielen müssen.

Beton nach Zusammensetzung – Zur Beschreibung eines Betons nach Zusammensetzung werden folgende grundlegende Anforderungen nach der DIN EN 206-1/DIN 1045-2 definiert:

  • Zementgehalt
  • Zementart und Festigkeitsklasse des Zements
  • Größtkorn der Gesteinskörnung
  • W/Z-Wert oder Konsistenzklasse oder Zielwert der Konsistenz
  • Art, Kategorie und maximaler Chloridgehalt der Gesteinskörnung
  • Art und Menge der Zusatzmittel oder –Stoffe
  • Herkunft der Ausgangsstoffe, wenn nicht anders definiert werden kann.

Diese Anforderungen können durch zusätzliche Forderungen ergänzt werden, wobei es nicht um die Beschreibung von Eigenschaften sondern die Materialzusammensetzung geht. So können zusätzliche Angaben zur besseren Beschreibung der Ausgangsstoffe, die mit bereits aufgeführten Festlegungen nicht beschrieben werden können, gefordert sein.

Gegenüberstellung der Betone

Schon aus der Beschreibung der beiden wichtigsten Kategorien der Betone wird der Unterschied deutlich. In keiner der alten Betonnormen war dies so klar definiert, wie in der DIN EN 206-1/ DIN 1045-2. Dabei handelt es sich im Grunde beim Beton nach Zusammensetzung auch um einen „Beton nach Eigenschaften“, es kommt nur auf die Betrachtungsweise an. Hier liegt die Verantwortung für die Eigenschaften nicht beim Hersteller, sondern bei demjenigen, der die Eigenschaften über eine Erstprüfung nachweist oder auch Langzeiterfahrungen nutzen kann. Der Hersteller garantiert nur für die Zusammensetzung. Auch auf dem Lieferschein sollten diese Unterschiede eindeutig ersichtlich und nachvollziehbar sein. Beim Beton nach Zusammensetzung werden Angaben zur Expositionsklasse, Feuchtigkeitsklasse und Druckfestigkeitsklasse nicht gemacht.

Ein „Beton nach Eigenschaften“ kann zudem auch auf der Baustelle zum „Beton nach Zusammensetzung“ werden – und zwar durch den Verwender, das Bauunternehmen. Der Betonhersteller kennt die Einflüsse der auf der Baustelle zugegebenen Materialien auf die Eigenschaften seines Betons nicht, so dass dieser Beton zum „Beton nach Zusammensetzung“ wird.

In der Praxis sind solche Handhabungen teilweise anzutreffen. Im Streitfall ist dann guter Rat teuer. Auch wenn ein Hersteller nach Angaben eines Verwenders den Beton herstellt, so ist dies ebenfalls ein „Beton nach Zusammensetzung“. Deklariert der Hersteller aus „Gefälligkeitsgründen“ dies als „Beton nach Eigenschaften“, so ist er für die Eigenschaften auch verantwortlich. Gerade beim Einsatz von Stahlfaserbeton oder Beton für Industrieböden ist dieser Fall sehr häufig anzutreffen.

Haftungsfragen im Kurzüberblick

Die rechtliche Darstellung kann nur überblicksartig sein und beschränkt sich auf unterschiedliche Haftungsansätze beim „Beton nach Eigenschaften“ und einem „Beton nach Zusammensetzung“. Es sind hier auch die unterschiedlichen Vertragsverhältnisse und rechtlichen Grundlagen zu beachten.

Transportbetonhersteller

Zwischen dem Transportbetonhersteller und dem Auftraggeber (Bauherr oder Bauunternehmen) kommt gemäß §651 BGB ein Werklieferungsvertrag zustande, da es um die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender Sachen geht. Folgerichtig findet gemäß §651 BGB das Kaufrecht Anwendung. Entscheidend ist für den Transportbetonhersteller häufig die Frage seiner Haftung, die sich nach §434 Abs.1 Satz 1 BGB richtet. Danach ist seine Sache frei von Sachmängeln also ordnungsgemäß, wenn

  • sie die vereinbarte Beschaffenheit hat oder
  • ohne Vereinbarung einer Beschaffenheit, wenn sie sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet oder
  • sich für die gewöhnliche Verwendung eignet, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und der Käufer entsprechend der Art der Sache erwarten darf.

Da es sich bei der zu liefernden „Sache Beton“ im vorliegenden Fall um eine noch zu verarbeitende Sache handelt, die noch eingebaut werden soll und damit auch bedingt ihrer technischen Eigenschaften ändert was im erheblichen Umfang von der Einbauweise und insbesondere auch von der Nachbehandlung abhängt, ist es für die Frage des Haftungsumfangs von erheblicher Bedeutung, ob die Lieferung eines Betons nach Eigenschaften oder nach Zusammensetzung vereinbart ist. Der Nachweis, dass der gelieferte Beton nach Zusammensetzung den vertraglichen Vorgaben entspricht, ist in der Praxis häufig deutlich einfacher, da es um die Materialzusammensetzung geht.

Dem gegenüber ist bei einem Beton nach Eigenschaften nachzuweisen, dass die vertraglich vereinbarten Eigenschaften auch tatsächlich eingehalten werden. Da sich Einbauweise und Nachbehandlung darauf auswirken, ob die Eigenschaften überhaupt erreicht werden können, ist das Risiko für den Transportbetonhersteller hier deutlich höher. In der Praxis entsteht im Schadensfall (Z.B. aufgetretene Risse am Betonbauwerk) Häufig Streit über die Frage, ob es sich um einen Materialfehler handelt oder aber um einen Ausführungsfehler (teilweise auch Planungsfehler). Probleme treten häufig auch dort auf, wo der Auftraggeber später dem Beton selbst oder durch Drittfirmen Zusatzstoffe beimengen lässt. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Erzielbarkeit der vertraglich vereinbarten Eigenschaften haben. Hier sollt der Hersteller zwingend darauf achten, nachweisen zu können, dass der Beton nach Eigenschaften nicht nur im Betonwerk sondern auch auf der Baustelle die Eigenschaft erreicht hat. Der Nachweis worauf die fehlende Einhaltung der Eigenschaften beruht, ist in der Praxis sehr schwierig zu führen. Dass viele Transportbetonhersteller, obwohl ein „Beton nach Zusammensetzung“ vereinbart wurde, diese häufig als „Beton nach Eigenschaft“ deklarieren, führt damit zwangsläufig zu Problemen, die sie eigentlich gar nicht haben müssten.

Bauunternehmen

Zwischen dem Bauunternehmen (Auftragnehmer) und dem Bauherren (Auftraggeber) liegt regelmäßig ein Werkvertrag vor, wobei die Parteien in der professionellen Baupraxis die VOB/B vereinbaren. Ohne Vereinbarung der VOB/B findet das Werkvertragsrecht des BGB Anwendung. Nach §13 Nr. 1 VOB/B liegt ein Mangel „vor“ bei:

  •  Nichteinhaltung der vereinbarten Beschaffenheit oder
  • Verstoß gegen die anerkannte Regeln der Technik.

Bei Bauunternehmen kommt es im Gegensatz zu Transportbetonunternehmen hinzu, dass nicht nur der Beton gelidert sonder auch noch ordnungsgemäß eingebaut werden muss. Es ist sicherzustellen, dass durch die ordnungsgemäße Ausführung die vertraglichen Vorgaben eingehalten werden. Auch hier gilt, dass sich in der Praxis einfacher nachweisen lässt, dass ein Beton die vertraglich vereinbarte Zusammensetzung aufweist. Bei einem Benton nach Eigenschaften können unterschiedliche Ursachen dazu führen dass er zum Zeitpunkt der Anlieferung zwar den vertraglichen Vorgaben entspricht, jedoch nicht nach dem Einbau. Dies kann neben Materialfehlern in der Zusammensetzung auch eine fehlerhafte Ausführung oder Planungsfehler als Ursache haben. Letztere sind dem Bauherren zuzurechnen, wenn er einen entsprechenden Planer als seinen Erfüllungsgehilfen gemäß §278 BGB eingeschaltet hat. Das Bauunternehmen soll auch unter Berücksichtigung der weiteren planerischen Vorgaben hier zwingend mit dem Transportbetonunternehmer unter Vorgaben hier zwingend mit dem Vorlage der entsprechenden Vertragsunterlagen abstimmen, ob der gelieferte Beton bei der gewählten Einbauart und den sonstigen Randbedingungen, nach dem Einbau die gewünschten Eigenschaften aufweist. Sollten hier Bedenken bestehen, müsste der Bauunternehmer gemäß § 4 Nr. 3 VOB/B vor der Ausführung seine Bedenken gegenüber dem Bauherren anmelden. Dasselbe Problem stellt sich, wenn der Bauherr entweder durch eigenes Personal oder aber durch Drittfirmen dem Beton Zusatzstoffe oder Zusatzmittel beimengt. Auch dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Fragen haben, ob die vertraglich vereinbarten Eigenschaften überhaupt noch eingehalten werden können. Auch hier müsste das Bauunternehmen ggfs. Bedenken gemäß § 4 Nr. 3 VOB/B anmelden und darauf achten, dass durch Prüfungsnachweise dokumentiert ist, welche Eigenschaften der Beton nach der Betonherstellung und im Zeitpunkt der Anlieferung auf der Baustelle hatte. Damit im Streifall zumindest nachgewiesen werden kann, von welcher Ausgangslage auszugehen ist. Die Prüfungsnachweise ergeben sich aus der DIN 1045-3 Bauausführung /6/. Zusätzliche Nachweise können zwischen den Parteien im Vorfeld der Baumaßnahme festgelegt werden. Die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Betonrezeptur ist auch von ausschlaggebender Bedeutung dafür, ob das Werk ordnungsgemäß ist. Das OLG Hamm (Baurecht 2007, 763) hat entschieden, dass dann, wenn der Bauunternehmer Betonfertigteile mit einer nicht den vertraglichen Vorgaben entsprechenden Betonrezeptur herstellen will und daran festhält, dem Bauherren (Auftraggeber) das Recht zu einer außerordentlichen Kündigung gemäß § 8 Nr. 3 Abs. 1 VOB/B zukommt.

Das Fazit lautet: Die Normung regelt klar den „Beton nach Eigenschaften“ und den „Beton nach Zusammensetzung“, was jedoch nicht so klar in der Praxis realisiert wird. In der Haftbarkeit wird deutlich, wo welche Risiken für Planer, Transportbetonhersteller und Verwender auf der Baustelle liegen. Autoren: Dr. –Ing. Monika Helm und RAin Dr. Katrin Rohr-Suchalla. Veröffentlicht in Steinbruch und Sandgrube 07/2010 (Giesel Verlag GmbH) – www.baunetzwerk.biz

Literatur: /1/  DIN EN 206-1, 2008 – /2/  DIN 1045-2, 2008 – /3/  DBV–Merkblatt „Stahlfaserbeton“, 2001 – /4/ DBV–Heft 7 “Stahlfaserbeton”, Beispielsammlung zur Erleichterung der Anwendung des DBV –Merkblatts „Stahlfaserbeton“, 2004 – /5/ DAfStB–Richtlinie „Stahlfaserbeton“, 2010 – /6/  DIN 1045-3, 2008

Bildquelle: Fachzeitschrift – Steinbruch und Sandgrube 07/2010

 

 

 

 

 

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