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Totalschaden an 700 Fenstern

Trotz Sanierung immer noch nicht mangelfrei!

Im Berufsalltag eines Sachverständigen gibt es immer wieder Fälle, die interessanter sind als das Alltagsgeschäft. Das kann an der Höhe der Streitsumme liegen, oder es geht darum, ein ungelöstes oder besonders schwieriges technisches Problem zu untersuchen. In dem nun geschilderten Fall sind rund 700 Fenster betroffen: Es gibt Mängel bei der Farbgebung, bei der Konstruktion und Ausführung und dazu wurde auch noch unzureichend saniert.

  • Der  Einsatz  von  Fugensiegel  für  die  Brüstungsfugen  von Kiefernholzfenstern ist seit Jahren als Standard anzusehen.

Große Beschichtungshersteller fordern das auch in den Merkblättern (z. B. Remmers: „Empfehlung für die werkseitige Fertigbehandlung von Fenstern und Haustüren aus Holz“; Technisches Merkblatt: Glasurit Holzlasur für Außen).

Sanierung nach der Sanierung

Die von mir 2008 durchgeführten Ortstermine ergaben dann folgende Tatsachen: Es besteht ein ganz erheblicher Unterhaltungsstau, da seit der umfangreichen  Sanierung  in  2003 keine weiteren Wartungsarbeiten an den Holzoberflächen durchgeführt wurden. 77 Flügel und 70 Blendrahmen müssen ausgetauscht werden. Weitere 290 Flügelrahmen und 195 Blendrahmen sind in einem sehr schlechten Zustand und müssen überarbeitet werden. Zusätzlich sind 90 m2 Oberfläche abzuschleifen und neu zu beschichten. Die Anzahl von Totalschaden sank im Nutzungszeitraum 2003 – 2008 gegenüber dem Ergebnis der ersten Begutachtung  (Nutzung 2001 – 2003), erstaunlicherweise nicht nachhaltig. Die Kosten für die nun notwendige Sanierung schätze ich auf netto 94 000 Euro. Einige der Rahmen und Flügel hatten Fruchtkörperbildungen eines Pilzes, der stehendes Holz befällt (Gloeophyllum sepiarium).

  • Voraussetzung für einen solchen Schaden ist eine zu hohe Materialfeuchte (> 20 % rel. Feuchte) über einen längeren Zeitraum. Finden die Pilzsporen diese Bedingungen, kann das wachsende Myzel die Zellulose des Holzes auffressen. Das führt zu einem Würfelbruch der Holzfasern und zum Verlust der Stabilität. Findet der Pilz kaum noch Nahrung vor, so beginnt er seinen Vermehrungsprozess mit der Bildung des Fruchtkörpers. Das ist ein sicheres Anzeichen für eine massive Zerstörung des befallenen Holzes. 

Für die Klärung der eigentlichen Schadensursache müssen die Stellen gefunden werden, an denen Flüssigwasser in das Holz gelangt. Schadensursachen: Bei der Sanierung wurde die deckende Lasur exakt bis an die Dichtstofffugen aufgetragen. Das war richtig, denn entsprechend den Fachregeln dürfen Dichtstofffugen nicht überstrichen werden. Allerdings lagen im Bereich der Dichtstofffugen zwei Problemfelder  vor: Zum einen gab es eine Haftungsstörung im Randbereich der Fugen – wahrscheinlich durch das beim Glatten der Fugen dünn verteilte Silikon. Zum anderen wies ein Teil der Fugen einen Alterungsprozess auf, der zu einem Ablösen und Aufplatzen des dünnen Fugenrandes führt. An vielen Flügelrahmen gelangt Wasser an diesen Stellen unter die neue Beschichtung, sprengt diese vom Untergrund ab und wandert von dort in das Holz. Hier haben wir eine Anhäufung von Planungs- und Ausführungsfehlern, unterlassener Hinweispflicht und unzureichender Sanierung.“ Lesen sie im gesamten Bericht „Schadensursache und die Konsequenz warum der Komplett-Austausch günstiger ist! Mehr zum Thema auf meiner Homepage „Sachverständigenbüro Peter Struhlik

Totalschaden an 700 Fenstern von Peter Struhlik

 

 01; Massive Holzzersetzung; Fruchtkörper des Pilzes an Flügel- und Blendrahmen
 02; Wasser dringt unter die Beschichtung; Ablösen der Beschichtung, unmittelbar entlang der Silikonfuge
 03; Beschichtung wird abgelöst; Vom Wasser schon aufgewölbte Beschichtung, angrenzend an die Endkappe
 04; Freigelegte Schlitz-Zapfen-Verbindung; Hier ist die geöffnete Entwässerungskammer des Pfosten-Riegel-Systems direkt in Nachbarschaft des Blendrahmens
   
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