Sie sind hier: Bauherrenhilfe.org > Fachbeitrag > Schafwolledämmung – Mottenbefall

Schafwolledämmung – Mottenbefall

Ein privater Häuslbauer hat 2015 sein Haus selbst mit Woolin-Schafwolledämmung (Villgrater Natur Produkte, Josef Schrett KG) gedämmt. Im Jänner 2017 kommt erstmals sichtbar zu einem massiven Mottenbefall im gesamten Wohnhaus.

Zitat aus dem Gutachten: „Zusammenfassend kann ausgeführt werden, dass in allen beim Lokalaugenschein begangenen Räumen in unterschiedlich starkem Ausmaß lebende Motten auf den Wänden saßen, krabbelten und/oder herumschwirrten. In offen zugänglichen Bereichen wurden am Dämmmaterial Gespinste, tote Motten, Larven und Kot von Motten festgestellt.“

Produziert werden die Platten bei der italienischen „Manifattura Maiano„. Als Insektenschutz werden lt. Angaben der Wirkstoff Permethrin, mind. 110mg/kg in die Schafwolleplatten eingebracht. Bei nicht ausreichender Dosis können Insekten sich selbst wieder entgiften und erholen. Nicht nur das, sie können danach sogar Resistenzen entwickeln. Villgrater ist zu diesem Produkt nur Händler, kontrolliert aber offenbar den ausreichenden Einsatz der Insektenschutzmittel nicht mehr.

Jedenfalls ergab die Kontrolle an 3 Probestellen dass 2 ausreichend (390mg/kg, 410mg/kg) und eine unzureichend war. (59mg/kg!). Den Produzenten muss daher der Vorwurf gemacht werden dass dieser die Schafwolle ungleichmäßig mit Permethrin ausgerüstet hat.

Mit vollständigem Rückbau, Übersiedlungs-, und Kosten für eine Ersatzwohnung ist der Schaden im 6-stelligen Bereich zu vermuten. Dem Häuslbauer möchte man 10- 15.000 Euro anbieten. Weil er die Wolle selbst eingebaut hat… Der italienische Hersteller Manifattura Maiano will NICHT in den Schaden eintreten! Begründung: Sie haben das gegenständliche Produkt ja nicht empfohlen (…) Sie wären aber bereit in Kulanz kostenfrei eine neue Dämmung zu liefern.

Mein Schreiben soll kein Plädoyer dafür sein auf ökologische Baumaterialien zu verzichten. Ich empfehle im Gegenteil, soweit als möglich auf chemische Produkte zu verzichten. Aber das Beispiel zeigt dass in manchen Bereichen Naturprodukte chemisch ausgerüstet werden müssen. In dem Sinne entsteht wiederum und unter Umständen eine entsprechende Belastung, bzw. ein Risiko für Bauschäden. Es bleibt im Einzelfall genau zu prüfen welches Produkt wofür Verwendung findet. Während Dämmstoffe aus Holzweichfaserplatten in der Regel unproblematisch sind, kommt es bei Schafwolledämmplatten doch immer wieder zu derartigen Problemen.

PS.: Es ist bei diesem Schadensfall unklar ob ein Mottenbefall bereits bei Einbau vorhanden war. Oder ob es erst nachträglich zu einem Befall gekommen ist.

Günther Nussbaum
www.bauherrenhilfe.at

Kleidermotte; Bildquelle: Firma „Ab die Taube“ – www.ab-die-taube.at

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.