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Lärmbelästigungen in Wohnung nimmt zu

Die Welt um uns wird immer lauter. Der Verkehr hat sich vervielfacht. Auch in den eigenen vier Wänden steigt derLärmpegel stetig an.

Fotograf: Franner

Fotograf: Franner

Wien (OTS) – Haushaltsgeräte rumpeln und laufen unrund, Lautsprecher von Stereo-Anlagen und TV-Monitore an der Zimmerwand sorgen für eine ungebetene Unterhaltung. In den eigenen vier Wänden wird der Lärm aus der Nachbarwohnung schnell zum großen Ärgernis.

Im Jahr 2011 fühlten sich 40 % der Österreicherinnen und Österreicher in ihrer Wohnung durch Lärm belästigt – Tendenz stark steigend (2003 waren es nur 29%). Nach dem Verkehrslärm stellt das die zweitgrößte Lärmquelle dar.
Das belegt der Mikrozensus „Umweltbedingungen, Umweltverhalten“ der Statistik Austria vom 4.Quartal 2011.Wesentlich geringer wird die Lärmbelästigung durch Baustellen (21%), Betriebe (16%), Lokale (9%), sowie Freizeiteinrichtungen bzw. -veranstaltungen (7%) empfunden.

Interessant ist auch die Erkenntnis, dass Bezieher von niedrigen Einkommen bereits zu 50% durch Lärm aus der Nachbarwohnung gestört werden, während das nur 38% der Bewohner mit mittleren und höheren Einkommen beanstanden. Kein Wunder: gerade im sozialen Wohnbau ist der Preisdruck auf den Errichter besonders groß. Über die täglichen Beschwerden und Konflikte können Hausver-waltungen, Polizeikommissariate und Rechtsanwälte mittlerweile schon ganze Bibliotheken füllen.

Sind die Bauordnungen und ÖNORM noch zeitgemäß?

Die Anforderungen an die Schalldämmung wird in Normen und Gesetzen festgelegt: in den einzelnen Bauordnungen der Länder, den ÖAL Richtlinien, der OIB-Richtlinie 5 und der ÖNORM B 8115.
„Eine Wohnungstrennwand muss eine Schalldämmung von 55 dB aufweisen. Das ist gerade in Mehrfamilien- bzw. Mehrparteienbauten oft zu wenig“, urteilt Kazimir Juresa, technischer Experte von Franner Lärmschutz. „Schon ein normales Gespräch erzeugt 60 bis 65 dB. Wenn ich Freunde einlade und es etwas lauter wird, steigert sich der Pegel rasch auf 75-80 dB. Durch eine normale Wohnungstrennwand dringen zwar nur 20 dB zum Nachbarn durch, aber das kann schon als Störfaktor wahrgenommen werden. Der Durchgangsschall steigt dann gleich empfindlich an.“

Noch störender ist aber Körperschall, das sind Schwingungen, die über das Mauerwerk übertragen werden und in einem anderen Raum als sekundärer Luftschall wieder auftreten. Wenn der Nachbar im oberen Stockwerk trampelt oder ein Kind mit dem Ball spielt, hat man keine Chance, das zu überhören. Alles dröhnt oder vibriert. Auch wenn Lautsprecherboxen oder TV-Flachbildschirme direkt an die Zimmerwand montiert werden, kommt es zur Übertragung von sekundärem Luftschall. Vor allem tiefe Frequenzen (z.B. Bässe) sind besonders nervend. Führende Bauphysiker fordern daher, beim Wohnungsbau nicht nur auf den Norm-Schalldruckpegel von 55 dB zu achten, sondern auf die gesamte Frequenzcharakteristik.

Dazu meint der Ziviltechniker und Gerichtssachverständige DI Joachim Jira:
„Die Normen, Regelwerke und Bauordnungen definieren lediglich Mindeststandards. Um einen deutlich besseren Schallschutz im Wohnungsbau zu bekommen, muss das der Bauherr erstens wollen und zweitens auch im Bauauftrag verankern. In der ÖNORM B 8115 Teil 5 sind über die Mindeststandards hinausgehend Schallschutzklassen definiert. Die Realisierung eines höheren Schallschutzes ist jedenfalls nicht der Standard und bedarf einer detaillierten Planung bzw. Projektbetreuung durch den Bauphysiker. Der Bauherr bzw. Planer muss aktiv betreut werden, da dies – wie z.B. die Statik auch – ein spezielles Fachgebiet ist.“

Das richtige Dämmmaterial und der fachgerechte Einbau sind entscheidend

Wie der Schall im mehrgeschossigen Wohnbau effektiv gedämmt werden kann und welche Rolle Körper- und Luftschall spielen, weiß Lärmexperte Kazimir Juresa:
„Stärke und Eigenschaften der Dämmprodukte sind wichtig, entscheidend ist aber der fachgerechte Einbau in die Bauwerke. Körperschallbrücken müssen unbedingt verhindert werden. Bereits bei einer Schallbrücke verliert die vorhandene Trittschalldämmung ihre Wirkung. Auch über Verrohrungen und Verkabelungen darf die Dicke der Dämmung nicht verringert oder geschwächt werden. Das berücksichtigen viele Baufirmen zu wenig. Auch Fliesen- und Bodenleger sollten Baufolien und Randstreifen erst entfernen, wenn der ganze Oberbelag verlegt ist. Denn auch der Fliesen- oder Parkettkleber kann eine massive Körperschallbrücke verursachen. Die Leidtragenden einer schlechten, unprofessionellen Verlegung sind später immer die Bewohner. Wenn Dämmmaterialien richtig eingebaut sind, werden Geräuschquellen korrekt gedämpft.“

Dieser Ansicht ist auch DI Jira:
„Die anfängliche Berücksichtigung der bauphysikalischen Anforderungen ist eine der wichtigsten Planungsschritte. Wird dies nicht ordentlich berücksichtigt, sind erhebliche Reklamationen garantiert, bis hin zum Rechtsstreit. Eine nachträgliche Sanierung ist meist mit großem Aufwand verbunden. Bei der Ausführung ist es oft auch ein Problem, dass die ausführenden Fachgewerke die geltenden Standards missachten oder gar nicht kennen.“

Nur 5% Mehrkosten für professionelle Schalldämmung

Wird die Akustikdämmung bereits in der Planung berücksichtigt, ist der zu berücksichtigende Mehraufwand minimal. Laut der Wiener Magistratsabteilung MA22, zuständig u.a. für Lärmschutz, belaufen sich die Kosten für professionellen Lärmschutz nur auf 5 % des Gesamtbudgets eines Neubaus. Die richtigen Schutzmaßnahmen an der potenziellen Lärmquelle erhöhen die Dämmwirkung aber um 30 %.
Lärmdämmung ist mit dem Franner Verbunddämmsystem natürlich auch im Nachhinein möglich, sowohl im Selbstbau als auch durch Professionisten. Franner Lärmschutz bietet hochwertiges Dämmmaterial für den Boden-, Wand- und Deckenbereich, die für die verschiedensten Frequenzen geeignet sind. Akustik-Spritzputze, schallabsorbierende Betonsteine und hochwertige Estrichdämmungen ergänzen das Programm.

Zur Dämmung von Trennwänden hat Kazimir Juresa noch einen hilfreichen Tipp:
„Mineralwolle als Dämmschicht zwischen den Vorsatzschalen sollte nicht leichter als 40 kg/m3 sein, da sie sonst zusammensackt und Hohlräume bzw. Resonanzräume bildet. Auf jeden Fall muss zwischen Wand und Dämmung ein Abstand von 10 bis 15 cm bestehen. Die Konstruktion darf nicht direkt an die Wand geschraubt werden, sonst entsteht wieder eine Schallbrücke.“

Der Ziviltechniker und Gerichtssachverständiger DI Jira bringt es auf den Punkt:
„Bei größeren schalltechnischen Problemen sollte auf jeden Fall die Hilfe eines fachkundigen Bauphysikers in Anspruch genommen werden, welcher ein Gesamtkonzept zur schalltechnischen Sanierung liefert und alle bautechnischen und baurechtlichen Aspekte berücksichtigt.“

Franner Lärmschutz stellt ein umfassendes Lärmschutz-Lexikon mit den wichtigsten Hintergrundinformationen zum Thema Lärm und Akustik kostenlos auf seiner Homepage zur Verfügung. Details unter: www.franner-laermschutz.at /Lärmschutzlexikon 

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