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Fenstermontage mit Gewerbeberechtigung Handel – Baumängel vorprogrammiert!

Es ist schier unglaublich, dass alleine mit der Gewerbeberechtigung Handel die zusätzliche Berechtigung der Fenstermontage mitgeerbt ist! Diese Berechtigung gilt jedoch nur der Fenstermontage in Fassaden.

Fenstermontage – Fassade

Der Fensterhändler kann also allein auf Grund der Gewerbeberechtigung für das Handelsgewerbe auch Fenster montieren. Das geht aus der Gewerbeordnung in „§ 32 Nebenrechte“ hervor. Im staatlichen Gewerbereferentenprotokoll (2002) wurde festgehalten, dass unter „Montage“ grundsätzlich das Zusammenfügen von Einzelteilen zu einem Ganzen gemeint ist. Lt. Bundesinnung dürfte allerdings nur die Montage von vorgefertigten Fenstern in vorhandene Blindstöcke durch Andübeln und Verschraubungen oder bei Nichtvorhandensein von Blindstöcken durch Einschäumen (siehe Tagesordnungspunkt 34 der Dienstbesprechung der Gewerbereferenten 1998) zum Tragen kommen.

Die Bauherrenhilfe.org – Verein für Qualität am Bau weist auf das “oft“ fehlende Fachwissen beim Handelsgewerbe hin!

Sie sieht hier Bedarf, in die Berechtigung zur Montage einzugreifen, denn auch eine Fenstermontage im Fassadenbereich erfordert ein hohes Maß an Fachwissen. Eine ÖNORM gerechte Montage ist fixer Bestandteil im Fenstereinbau, die nicht gesondert bei Bestellung gefordert werden muss.

Insbesondere im Bereich der Bauanschlüsse entstehen die meisten Montagemängel und daraus resultierende Bauschäden.

Die richtige, normgerechte und dem Stand der Technik entsprechende Ausbildung der Bauanschlussfugen ist daher in Zukunft ein absolutes „Muss“. Ein „nur Ausschäumen“ der Bauanschlussfuge mit PU-Schaum ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht normgerecht.

  • Fenstermontage ÖNORM B5320

Die Montage von Fenstern wird in der ÖNORM B5320 beschrieben. (Anforderungen an die Abdichtung bzw. Ausbildung der Bauanschlussfuge nach ÖNORM B5320: Planung und Festlegung der Ausführungsart der Bauanschlussfuge von Fenstern und Fenstertüren in beheizten oder klimatisierten Gebäuden und Gebäudeteilen, die im direkten Kontakt zum Außenklima stehen, der direkten Bewitterung ausgesetzt sind und für die Anforderungen an den Widerstand bei Windlast, die Luftdurchlässigkeit und die Schlagregendichtheit bestehen)

In der Gewerbeordnung „§32 Nebenrechte“ werden jedoch keine Fachkenntnisse vorausgesetzt! So finden auch die vielen Fehlmontagen und die dazugehörigen Baumängel ihre Berechtigung!

Dachflächenfenstermontage

Anders sieht die Angelegenheit der Fenstermontage jedoch im Bereich der Dachflächenfenster aus. Hier wird gleich in „fünf“ Gewerbe eingegriffen, „hier“ ist Fachwissen bindende Voraussetzung, da direkt in die Konstruktion eingegriffen wird.

  • Die Dachkonstruktion (Zimmermann)
  • Die Dampfbremse (Trockenbau, Zimmermann)
  • Die Dachdeckung (Dachdecker, Spengler)

Auch nach Ansicht der Bundesinnungsgruppe Baunebengewerbe – Zitat: „Hier ist aber kein bloßes Zusammenfügen maßgeblich, sondern es wird substantiell in die Dachkonstruktion eingegriffen. Dachflächenfenster werden nicht montiert, sondern in die Dachkonstruktion eingebaut und müssen, was Dichtheit und Funktionalität betrifft, denselben Anforderungen genügen, wie das restliche Dach“ – kann das Montagerecht gem. § 32 Abs. 1 Z6 nur in Ausnahmefällen (hoher Vorbereitungsgrad des Untergrundes) im Fassadenbereich zum Tragen kommen.

Auch wurden wir bei unseren Recherchen zur Berechtigung zur Montage von Dachflächenfenstern auf folgende Niederschriften hingewiesen: Ausführungen in Meyers Enzyklopädischem Lexikon, Bd. 16, Bibliographisches Institut, Mannheim 1976. Demnach ist Montage allgemein „das Zusammenfügen von Einzelteilen zu einem Ganzen“, in der Technik „das Zusammensetzen einzelner vorgefertigter Bauteile zu einer funktionsfähigen Anlage“. Ob damit dem Wunsch nach einer befriedigenden Auslegung des § 32 Abs. 1 Z 6 GewO 1994 in der geltenden Fassung Rechnung getragen ist, erscheint fraglich.

Verpfuschte Fenstermontagen

Die verpfuschten Fenstermontagen, die in keiner Art und Weise der ÖNORM B 5320 entsprechen, werden lt. Allgemeinheit in den hierfür fachlichen Kreisen als „Auslegung von Einzelfällen“ gehandhabt – Kommentar zur Gewerbeordnung, 6. Auflage Wien 1996 (siehe die Anmerkungen 26 und 27 zu § 33 GewO 1994). Fraglich ist die Betitelung „Auslegung von Einzelfällen“, da die Einzelfälle ein großes Maß des Ganzen sind.

Fazit:

Bis dato darf der Fensterverkäufer mit der Gewerbeberechtigung „Handel“ seine Produkte auch montieren. Sofern der Untergrund im hohen Maße vorgefertigt ist und nicht in eine Konstruktion eingegriffen wird, ist die Montage im Fassadenbereich zulässig.

  • Siehe „Einwand der Bauherrenhilfe.org“, wie oben erwähnt!

Die Montage von Dachflächenfenstern greift in die Konstruktion ein, daher bleibt die Montage den Fachkräften überlassen und wird dem Gewerbe Zimmermann, Dachdecker, Spengler oder auch der Schlosserei zugeordnet!

Über den Verein „Bauherrenhilfe.org (BHH.org) – Verein für Qualität am Bau“:

Der Verein “Bauherrenhilfe.org – Verein für Qualität am Bau” versteht sich als internationaler Verein, er agiert seinen Statuten entsprechend mit dem Ziel, die Qualität am Bau zu heben und zu fördern! Unseren Auftrag, die Öffentlichkeit zu informieren und Bauinteressierte und Fachkräfte auf dem Laufenden zu halten, erledigen wir über das Fachportal www.bauherrenhilfe.org, sowie via TV in der Baudoku „Pfusch am Bau“.

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